Großer Coup scheiterte kläglich

Bewährungsstrafe wegen versuchter räuberischer Erpressung für vier Männer

Fritzlar. Manchmal werden vor Gericht erstaunliche Geschichten erzählt. Wie die von den vier jungen Männern, die den großen Coup landen wollten und kläglich scheiterten. Vom Fritzlarer Amtsrichter wurden sie diese Woche wegen versuchten räuberischer Erpressung zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Das war geschehen: Durch die Nacht brettern zwei junge Männer. Ein Dritter wird per Handy aktiviert. Er torkelt aus der Haustür. Mit Schal und Mütze ist der Kopf vermummt, in der Hand ein Brotmesser. Die Klinge blitzt im Scheinwerferlicht.

Ein Ding soll gedreht, Kohle beschafft werden. Trotz der 15 Zentimeter wirkt das Messer dürftig. Eine Knarre muss her. Der vierte Mann wird abgeholt. In der Eile fand er die erhoffte Gaspistole nicht.

Kreuz und quer fahren die Vier, alle Anfang der Neunziger geboren, durch den Schwalm-Eder-Kreis. Geld ist das Ziel. Geld für die große Party in Frankfurt. Da feiert ein beliebter Rapper mit dem Künstlernamen Haftbefehl.

Der mit dem Messer ist fällig, er soll seinen Mann stehen. An der Tanke holt er sich zwei Flachmänner. Höflich kauft der Kumpan eine Tüte. Dahinein soll der zu erwartende Scheineregen. Dann die Idee! Die Westfalen-Tankstelle in Fritzlar hat keinen Nachtschalter.

Vor der Angestellten, die drei Kinder großgezogen hat, steht das vermummte Würstchen und murmelt: Geld her! Sie sagt: Mach den Schal ab. Ich versteh nichts. Der Täter murmelt und fuchtelt mit dem Brotmesser. Der resoluten Frau platzt der Kragen. Sie packt den Burschen an demselben und schmeißt ihn raus. Der springt ins Auto: Ab! Schnell, die Bullen kommen.

Es geht nach Edermünde. Die Spielothek ist voll, obwohl es weit nach Mitternacht ist. Also über die Autobahn nach Borken. Vor der nächsten Spielhalle starrt der immer noch Vermummte entschlusslos die Fassade an.

Dann eben zum Domino. Da hinein mit weichen Knien. Es dauert und dauert. Sein Kumpel geht ihm nach. Da steht der Freund und klagt der Mitarbeiterin sein furchtbares Leid. Vor wenigen Tagen verstarb sein Vater an Krebs. Die Frau schenkt ihm eine Zigarette. Er kommt schließlich mit auf die Straße. Die anderen haben die Nase voll und fahren nach Hause.

Doch er geht zurück und murmelt wiederum: Geld. Und auch diese Frau unterdrückt ihre Angst. Sie zerrt ihn am Ärmel raus. Da schleicht er ums Gebäude und rüttelt an Türen und Fenstern, bis die Polizei eintrifft.

Das Gericht, der Staatsanwalt, die Verteidiger - gern hätten sie über das Geschehene gelacht. Doch es lag eine versuchte, schwere räuberische Erpressung vor. Zugute kommt den Männern die positive Aussage der Jugendgerichtshilfe, eine belastende, familiäre Situation und die Aussagen von drei Tätern.

Zum Guten gewendet

Die Taten geschahen im März 2013. Alle haben ihren Alltag zum Guten gewendet. Einer teilt stolz mit, er hätte einen Arbeitsvertrag unterschrieben - als Mitarbeiter einer Spielothek.

Der Richter greift sich an den Kopf und verurteilt alle nach dem Jugendstrafgesetz. Es gibt zwischen sechs und zwölf Monate auf zwei Jahre Bewährung. Dazu diverse Auflagen wie Freizeitarrest und gemeinnützige Arbeit.

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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