Relikt fürs Dommuseum

Domgemeinde St. Peter  kauft wertvollen Münzdeckelbecher

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Rarität und Bereicherung zugleich: Domkurator Anton Pristl mit dem Fritzlarer Münzdeckelbecher.

Fritzlar. Er hat vermutlich prächtige Zeiten erlebt, aber auch Notzeiten vom ausgehenden 17. Jahrhundert bis zu den Befreiungskriegen überstanden: Der wertvolle Münzdeckelbecher, den die Fritzlarer Domgemeinde St. Peter jetzt wieder ihr Eigen nennt, stammt aus dem Jahr 1676.

Er entstand in der Werkstatt des Korbacher Goldschmiedes Samuel Waldecker. Für 75.000 Euro hat die Domgemeinde den Kelch aus Silber von einer Kunsthandel-Galerie in Bremen erworben – und sich damit einen großen Wunsch erfüllt. „Er ist für uns nicht nur historisch sehr wertvoll“, sagt Domkurator Anton Pristl. Schon vor über vier Jahren habe die Gemeinde das Angebot bekommen, den Münzdeckelbecher zu kaufen. „Damals sollte er noch 95.000 Euro plus Mehrwertsteuer kosten“, erinnert sich Pristl. Doch dafür habe einfach das Geld gefehlt. „Es war zu der Zeit, als im Dom die riesige Baumaßnahme lief. Da war diese Investition für uns nicht zu stemmen“, erklärt er.

Doch seither stand der Kelch im Dommuseum – dem Domschatz – als Leihgabe. Dort sind auch weitere, international anerkannte Stücke ausgestellt. Der Münzdeckelbecher sei eine echte Rarität und eine große Bereicherung für den Domschatz, so Pristl. Man habe ihn prüfen und schätzen lassen. Verziert ist er mit 49 Silbermünzen. Das Trinkgefäß ist 28 Zentimeter hoch und wiegt gute zwei Kilogramm – ein ausgesprochen stattliches Beispiel barocker Stiftsherrenkultur, das einst wohl weniger künstlerischem als vielmehr repräsentativen Zwecken gedient habe.

Seinen Ursprung habe der Becher in Fritzlar. Seine Urheberschaft durch den Korbacher Goldschmied sei durch das Meisterzeichen im Gefäßboden ebenso zweifelsfrei nachgewiesen, wie die Identität der Auftraggeber: Die Namen von Johann Wilhelm von Nehem (um 1630 - 1693) und Heinrich Ernst von Nehem (um 1636 - 1696, beide Kanoniker des Petersstifts in Fritzlar, sind auf der Innenseite des Bechers eingraviert. Zudem ist das Wappen der Familie auf einen abgeschliffenen Schwedentaler am oberen Deckelrand zu sehen.

Das Geschlecht der von Nehems (Neheim) ist in historischen Adelsregistern erstmals nachgewiesen um 1450 und stellte bis etwa 1750 zahlreiche Kirchenleute, Domherren und geheime Räte, dazu gehörten auch die beiden Brüder, die das Stück arbeiten ließen. Im Fritzlarer Dom erinnert ein Stammbaum an die Familie.

Termin: Übergabe des Münzdeckelbechers, Donnerstag, 3. April, 11 Uhr, Dommuseum Fritzlar.

Quelle: HNA

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