Fritzlarer Hotel Nägel verkauft: Restauranteröffnung im Mai 2012

Das Hotel Nägel am Fritzlarer Marktplatz.

Fritzlar. Das Ende einer unendlichen Geschichte: Das Fritzlarer Hotel Nägel ist verkauft. Neuer Eigentümer ist eine Fritzlarer Investorengruppe um den Architekten Christian Gerlach.

Das seit vielen Jahren leerstehende repräsentative Gebäude am Marktplatz wird zum Teil an einen österreichischen Gastronom verpachtet. Im Erdgeschoss soll ein Restaurant mit gehobener Küche entstehen. Die Eröffnung ist bereits für Mai 2012 geplant.

Christian Gerlach sitzt vor den imposanten Glasfenstern, die einen Blick auf den Marktplatz gewähren

Ein ambitioniertes Vorhaben. Denn so schmuck die äußere Fassade ist, so viel Arbeit wartet im Innern auf die Investoren. "Der Zustand beziehungsweise mangelndes Vorstellungsvermögen waren in der Vergangenheit der Grund, warum so viele potenzielle Käufer abgesprungen sind", sagt Gerlach. Die Investitionskosten schätzt der Architekt auf bis zu 700.000 Euro. Über die Kaufsumme vereinbarten die Investoren und der bisherige Eigentümer, die Kreissparkasse Schwalm-Eder, Stillschweigen.

Der große Saal im ersten Stock des Hauses soll ebenfalls im Laufe des kommenden Jahres renoviert und geöffnet werden. Außerdem entstehen im Hotel Nägel vier Mietwohnungen mit Wohnflächen von 65 bis zu 90 Quadratmetern. Ein Hotel sei nicht vorgesehen, sagt Gerlach. Berechnungen hätten ergeben, dass ein Betrieb nicht wirtschaftlich wäre.

Bei der Finanzierung verzichten die Investoren auf Fördergeld. Es gebe zwar das Programm "Aktive Kernbereiche" der Stadt Fritzlar, das hervorragend passen würde, aber Geld soll nicht fließen. Die Planungen des Umbaus werde er aber ohnehin über sein Büro laufen lassen.

"Wir freuen uns als Stadt sehr", sagt Bürgermeister Karl-Wilhelm Lange. Persönlich freue es ihn, dass die Geschichte mit dem Hotel Nägel noch in seiner Amtszeit, der letzten, zu einem würdigen Abschluss gefunden hätte. Das Hotel sei über Jahrzehnte ein Anziehungspunkt und Treffpunkt gewesen. Er sei sich sicher, dass es das nach der Eröffnung auch wieder werden wird. Außerdem werte es die Stadt touristisch auf, sagt Lange.

Viele Einzelheiten zum neuen Betreiber wollte Gerlach noch nicht verraten. Allerdings sei dieser der Region seit vielen Jahren eng verbunden und lernte sein Handwerk in ausgezeichneten Küchen in Österreich. In der Nähe von München betreibt er derzeit ein internationales Restaurant. Und eines stehe auch fest: Das Nägel bleibt Nägel. "Der Name ist eine Marke und in der Region bekannt", erklärt Gerlach.

Mit gehobene Küche zu fairen Preisen sollen Gäste gewonnen werden. Etwa 150 Quadratmeter groß wird das Restaurant, der Saal hat noch einmal 100 Quadratmeter. Die Terrasse werde ebenfalls vergrößert. Geplant sei eine Konstruktion, die man vor größeren Veranstaltungen auf dem Marktplatz einfach zurückbauen könnte.

Unterschlupf

Vorne hui, hinten pfui: Der Sanierungsbedarf am Hotel ist enorm. Die Rückseite offenbart, was die herausgeputzte Fassade verschweigt. Auch im Innern ist viel zu tun. Die Sanierung soll aber schrittweise erfolgen. Die Kreissparkasse war zuletzt Eigentümer des Prachtbau auf dem Fritzlarer Marktplatz.

Zuletzt wurde der ehemalige Prachtbau zweckentfremdet. Wie die Polizei berichtet, diente das Hotel Nägel Jugendlichen in den vergangenen Monaten als Unterschlupf. Sogar einen Grill hatten sie in das Hotel geschafft. Auf die Jugendlichen sei man aufmerksam geworden, weil unter ihnen ein 16-jähriger Räuber war, der Anfang des Jahres ein Musikgeschäft in Fritzlar überfallen hatte. Im Zuge der weiteren Ermittlungen kamen auch Einzelheiten über das geheime Versteck ans Tageslicht. Der Jugendliche hatte dort unter anderem ein gestohlenes Fahrrad untergestellt. Zutritt hatten sich die jungen Leute über ein Fenster verschafft. (ddd)

Hintergrund: Das Hotel Nägel und seine Geschichte

Vor sechs Jahren fielen die Plastikhüllen am Baugerüst und gaben den Blick auf eine glänzende Fassadefrei. 14 Monate lang waren die beiden Häuser aus dem frühen 20. Jahrhundert und aus dem 17. Jahrhundert saniert worden, um die Substanz zu erhalten. Das Dach, die tragenden Teile, die Fundamente, alles was wichtig war, wurde von der Kreissparkasse saniert. Seit vielen Jahren bemühte sich die KSK um Geldgeber, die aus dem Traditionshaus wieder ein Hotel machen. Bevor das Kreditinstitut einstieg, hatte eine Investorengruppe kein Glück bei der Vermarktung, so dass es zur Zwangsversteigerung kam. Das linke Gebäude des Hotel Nägel wurde 1905 erbaut, das rechte im 17. Jahrhundert. (rbg)

Quelle: HNA

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