Die Kraft aus den schönen Momenten

Fritzlarer Kinderhilfswerk Global Care zieht nach 30 Jahren Bilanz 

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Fritzlarer Kinderhilfswerk Global Care zieht nach 30 Jahren Bilanz 

Fritzlar. Es sind die vergessenen Katastrophen dieser Welt, die so viel Kraft kosten und die Mitarbeiter des Fritzlarer Kinderhilfswerks Global Care manchmal an ihre Grenzen bringen. So wie im kenianischen Dadaab, wo es ein riesiges Lager für somalische Flüchtlinge gibt.

„Seit über 20 Jahren sitzen die Menschen dort fest“, berichtet Global-Care-Vorsitzender Reinhard Berle, und die Lage werde eher schlechter.

Die Gewaltbereitschaft im Lager steige, es sei mittlerweile gefährlich, Menschen mit Hilfsgütern zu versorgen. Es gebe Vermutungen, dass die Kaufhaus-Attentäter von Nairobi aus Dadaab stammten. Es kursierten Gerüchte, dass das Lager von der Regierung geräumt werden solle.

Doch im Rückblick auf das Jahr 2013 gibt es auch viele Erfolge. So etwa die Geschichte von Linda Mukisa, die für Global Care aidskranke Frauen betreut, und in Uganda von einem Lastwagen überfahren wurde.

Sie wurde nach Fritzlar gebracht und operiert. Er sei unsicher gewesen über diese Entscheidung, sagt Berle, aber sie stellte sich als richtig heraus. Die Ärzte stellten fest: Ohne die OP wäre sie ein Pflegefall geblieben. Jetzt ist sie wieder in Afrika und arbeitet. Nur vor Autofahrten habe sie noch Angst, sagt Berle.

Es sei wichtig, sich auf die Erfolge zu konzentrieren, wenn etwas anderes misslingt, sagt auch Mitarbeiterin Beate Tohmé. Noch immer stecke ein Container im Zoll in Haiti fest, der bereits im August bepackt worden war. Darin sind unter anderem Betten, Matratzen, Stühle und Geschenke der Global-Care-Paten (wir berichteten).

Neulich habe sie mit der dortigen Mitarbeiterin Schwester Phyllis wegen der Misere mit dem Container telefoniert. Doch die habe dann plötzlich erzählt, wie schön es sei, die neuen Häuser für die Kinder in Haiti zu sehen.

Der Effekt war ähnlich wie der, den Reinhard Berle an einem Tag erlebte, an dem er sich mit schlechten Nachrichten, Bürokratie und komplizierten E-Mails herumschlagen musste. Manchmal habe man schon das Gefühl, man würde am liebsten alles hinschmeißen.

Und dann erreichte ihn auf seinem Handy eine Nachricht aus einem der Länder, in denen Global Care aktiv ist. „Du bist mein Licht im Alltag“, hieß die Botschaft. Diese Momente sind es, die den neun Mitarbeitern des Hilfswerks Kraft geben.

So ein Tag war es für Berle auch, als er nach Uganda reiste. Dort ist die Organisation seit 30 Jahren aktiv. Viele der Menschen, die dort arbeiten, seien noch gar nicht auf der Welt gewesen, als die Arbeit dort begann.

Wenn sie auf 50 Kinder schaut, denen aus einer scheinbar ausweglosen Situation geholfen wurde, etwa weil sie jetzt einen Brunnen haben, dann gebe ihr das Kraft, sagt Beate Tohmé. Und mit dieser Kraft hilft Global Care – und das seit 37 Jahren.

Von Olaf Dellit

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Quelle: HNA

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