Der Fritzlarer Künstler Wolfgang Kleinschmidt wird 80 Jahre alt

Fritzlar. Wo fängt man an, wenn man mit Wolfgang Kleinschmidt spricht? Am besten am Anfang. 1933 also, heute vor 80 Jahren, kam er in Stettin zur Welt.

Doch dann springt der Mann, den viele Amigo nennen, hin und her. Den Lebenslauf könne man doch auch im Internet nachlesen. Tage, Uhrzeiten, das alles sei ihm nicht so wichtig.

Weg aus Fritzlar

Wie also ist Kleinschmidt damals zur Kunst gekommen? Gute Frage, findet er und behauptet: "Da habe ich nie drüber nachgedacht."

1961 jedenfalls, erzählt er, haute er ab aus Fritzlar, wo die Familie während des Krieges gelandet war. Stockholm war sein Ziel. Dort beobachtete er eine Dame, die mühsam Latten von einem Zaun hämmerte. Das musste doch leichter gehen. Kleinschmidt griff zur Axt und zerlegte den Zaun innerhalb einer Stunde. Zum Dank durfte er kostenlos wohnen. "Dann fing ich dort an zu malen." So einfach war das.

Und so erfolgreich. Kunststudium in Stockholm und Kassel, Ausstellungen im Museum of Modern Art und an vielen anderen Orten der Welt. Man dürfe den Erfolg nicht wollen, sonst klappe es nicht. Und die documenta, die Weltkunstausstellung vor der heimischen Haustür?

Bei er allerersten sollte er dabei sein, sagt Amigo Kleinschmidt, aber: "Ich hatte mich mit dem Bode in der Wolle." Gemeint ist Arnold Bode, legendärer documenta-Gründer. Kleinschmidt stellte seinen Beitrag für die Kunstschau an eine Säule. Doch Bode habe das Werk aufhängen lassen wollen. Kleinschmidt antwortete drastisch und flog raus.

Und doch war er immer wieder im Umfeld der documenta oder an Werken der Schau vertreten, so wie 2002 an einem Kunstprojekt der Kubanerin Tania Bruguera.

Von Joseph Beuys, für den er an einer Pflastermalerei mitarbeitete, schwärmt Kleinschmidt: "Der hatte eine unwahrscheinliche Ausstrahlung." Der Effekt von Beuys sei allenfalls vergleichbar mit dem Schlaganfall, den er kürzlich überstanden hat.

Nackt im Schlossfenster

Zwischendurch wohnte der Fritzlarer Künstler mal in einem Schloss. Dort spielte er nackt im Fenster Posaune und sei daraufhin als Kunstlehrer angestellt worden. Es ist eine dieser Kleinschmidt-Geschichten, mit denen er Gespräche würzt: Beuys, Bode, Schülerinnen in Teheran, geldgierige Galeristen und vieles mehr.

"Welcher Künstler ist schon ganz dicht?" sagt er, vielleicht auch ein wenig über sich selbst. Heute feiert er Geburtstag. Wolfgang Kleinschmidt, Künstler, Provokateur, Autor, Filmemacher und Urgestein, ist 80. Eines ist er aber nie: langweilig.

www.wolfgang-kleinschmidt.de

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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