Fritzlarer Prior wusste nichts von Missbrauch: Ermittlungen eingestellt

Fritzlar. Das Ermittlungsverfahren gegen den früheren Prior der Prämonstratenser in Fritzlar, Herr Conrad, ist eingestellt. Eine Straftat konnte dem Ordensbruder nicht nachgewiesen werden, hieß es am Donnerstag von der Kasseler Staatsanwaltschaft.

Es hätten sich keine Anhaltspunkte ergeben, dass Herr Conrad durch bewusstes Wegschauen Handlungen fördern wollte, sagte Dr. Enrico Weigelt, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, auf Anfrage der HNA.

Gegen den ehemaligen Stadtpfarrer Conrad o.praem. war ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch durch Unterlassung geführt worden. Mit dem Abschluss der Ermittlungen sei der Prämonstratenser Herr Conrad aus strafrechtlicher Sicht rehabilitiert, sagte Weigelt.

Im November 2010 war Herr Michael, alias Hansjörg L., der zum Priorat Fritzlar gehörte, zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Der Priester und Erzieher hatte 155 Fälle von sexuellem Missbrauch und den Besitz von kinderpornografischen Schriften gestanden. Im Zuge der Ermittlungen gegen Hansjörg L. war auch die Frage nach der Verantwortung des Priors laut geworden.

Mit der Einstellung der Ermittlungen gegen Herrn Conrad ist ein weiteres Kapitel der Affäre um die Prämonstratenser in Fritzlar geschlossen. Eines ist indes noch offen: Den Opfern steht eine „materielle Leistung in Anerkennung ihres Leids“ zu. „Das klingt gestelzt, ist aber richtig“, sagt Meike Schoeler, Missbrauchsbeauftragte des Bistums Fulda. Denn entschädigen, also den Schaden wieder gutmachen, könne man nicht.

5000 Euro stehen den jungen Männern nach Vorgabe der Deutschen Bischofs- und Ordenskonferenz zu. Seit März kämpft die Fritzlarer Anwältin für die Zahlung. „Ich bin zuversichtlich, dass auch dieses Kapitel in den kommenden Monaten abgeschlossen ist“, sagt Schoeler.

Quelle: HNA

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