Fritzlarer Stadtverordnete kritisieren Pläne von Tennet für Stromtrasse

Energie aus dem Wasser: So etwa soll das kleine Wasserkraftwerk aussehen, das am Ederwehr bei Fritzlar gebaut werden soll. Grafik: Stadt Fritzlar/nh

Fritzlar. Die Energiewende in mehreren Facetten war das Topthema der Fritzlarer Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend. Zweimal sagten die Kommunalpolitiker Ja, einmal Nein.

Für Verärgerung hat die Planung der Firma Tennet für eine Stromtrasse gesorgt, die auch Fritzlarer Gebiet berühren soll. Die Fritzlarer CDU hatte einen Eilantrag eingebracht, der einstimmig befürwortet wurde.

Dem Betreiber wird darin „eine bürger- und naturschutzfeindliche Planung“ vorgeworfen, gegen die der Magistrat mit allen politischen und rechtlichen Möglichkeiten vorgehen soll.

Es solle auch überprüft werden, ob die Leitung überhaupt durch den Schwalm-Eder-Kreis und durch Fritzlar geführt werden müsse. Im Antragstext ist von 60 bis 70 Metern großen Strommasten die Rede, die direkt durch das Wohngebiet Roter Rain und über den neuen Kindergarten führen sollten.

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Auf der von Tennet vorgelegten Landkarte ist das tatsächlich so eingezeichnet, de facto aber nicht möglich, weil der Mindestabstand zur Wohnbebauung 400 Meter betragen muss - so steht es im Gesetz. So milderte CDU-Fraktionschef Dr. Hans-Gerhard Heil den eigenen Eintrag beim mündlichen Vortag gleich wieder ab, indem er zum Beispiel sagte, forcierte Planungen von Tennet möge man schon im Ansatz verhindern, „so lange nicht klar ist, ob sie sinnvoll sind“.

Heil berichtete von Anrufen besorgter Fritzlarer. Einige hätten tatsächlich überlegt, ihre Häuser am Roten Rain zu verkaufen, sagte er. Es sei wichtig, früh auf die Planung Einfluss zu nehmen. Man dürfe aber auch nicht nach dem Motto handeln: „Geh’ doch in die Nachbargemeinde und verschone uns.“

Den detaillierten Verlauf der Trasse können Sie hier einsehen: Link

Peter Kuttelwascher (Grüne) hinterfragte, ob die Trasse überhaupt notwendig sei. Er warf Bayern vor, Windkraft größtenteils zu verhindern. „Wir brauchen die Trasse ja, um den Strom zu den Bayern zu kriegen“, sagte er. Würde Bayern selbst mehr regenerative Energie erzeugen, wäre die Trasse vielleicht unnötig.

Als Fritzlars Beitrag zur Energiewende sahen die Stadtverordneten zwei andere Projekte, für die sie ihre Zustimmung gaben.

Am Ederwehr soll ein kleines Wasserkraftwerk gebaut werden, das Bürgermeister Hartmut Spogat lieber als Wasserkraftanlage oder -schnecke bezeichnet wissen möchte. Es könnte 170 Haushalte mit Strom versorgen.

Ja sagte das Parlament auch zu einer großen Fotovoltaikanlage, die an der A 49 an der Kasseler Warte gebaut werden soll.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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