Tanzverbot zum Fest des Leibes Christi

Warum wird Fronleichnam immer an einem Donnerstag gefeiert?

Die Katholiken feiern Fronleichnam. Doch was steckt hinter dem Feiertag? Wir erklären, wo der Ursprung liegt, warum Fronleichnam immer auf einen Donnerstag fällt und weshalb Tanzverbot herrscht. 

Lapidar hört man hin und wieder Menschen, die Fronleichnam mit "Happy Kadaver" übersetzen. Doch was steckt tatsächlich hinter diesem Feiertag, der nicht in der ganzen Bundesrepublik gefeiert wird? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst.

Wo ist Fronleichnam in Deutschland ein Feiertag?

Fronleichnam ist nicht in allen Bundesländern ein Feiertag. Es gibt auch Bundesländer, in denen nur Teile den Feiertag begehen. Hier wird Fronleichnam aktuell gefeiert: 

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Hessen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland 
  • in Teilen von Sachsen
  • in Teilen von Thüringen (beispielsweise im Eichsfeld)

Doch wer katholisch ist und eigentlich arbeiten muss, der kann versuchen, sich vom Chef freistellen zu lassen. Ob der Chef das am Ende gestattet, steht auf einem anderen Blatt. 

Das gilt nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für Schulkinder. Wer mit seinem Kind an Messe und Prozession teilnehmen will, der kann bei der Schule eine Unterrichtsbefreiung beantragen.

Fronleichnam nicht in Niedersachsen

In Niedersachsen gilt Fronleichnam nicht als gesetzlicher Feiertag. Das ist der Grund, weshalb es fast jedes Jahr aufs Neue dazu kommt, dass viele Nordhessen den freien Tag zum Shoppen und Bummeln in Südniedersachsen nutzen. Die Innenstädte von Hann. Münden, Göttingen und Northeim sind dann im Regelfall gut von hessischen Touristen besucht. Der nächste gesetzliche Feiertag in Niedersachsen ist übrigens am 3. Oktober 2018 der Tag der Deutschen Einheit.

Wann ist Fronleichnam?

Das hohe und punkvolle Kirchenfest ist immer an einem Donnerstag. Festgelegt ist, dass Fronleichnam immer am zweiten Donnerstag nach dem Pfingstsonntag gefeiert wird. Da Pfingsten Am 50. Tag der Osterzeit beginnt, ist auch Fronleichnam vom jeweiligen Osterdatum abhängig. Man kann den entsprechenden Termin für Fronleichnam also selbst berechnen.

  • 2018: 31. Mai 
  • 2019: 20. Juni 
  • 2020: 11. Juni 
  • 2021: 3. Juni 
  • 2022: 16. Juni

Was genau heißt Fronleichnam?

Im Mittelhochdeutschen hieß es noch vrône lîcham. Übersetzt heißt das: Leib des Herren. Letztlich wird also das Fest des Leibes Christi gefeiert. Den Begriff Fron (vrôn) kennen einige vermutlich noch aus dem Geschichtsunterricht. Mit dem Frondienst ist - vereinfacht gesagt - die körperliche Arbeit eines Bauern für seinen Grundherren gemeint. 

Fronleichnam hat - nicht nur regional - verschiedene Namen. Beispiele für alternative Bezeichnungen sind: Blutstag, Festum corporis Christi, Herrenleichnamstag, Sakramentstag und Prangertag.

Warum wird Fronleichnam gefeiert?

Eigentlich, weil Papst Urban IV im Jahr 1264 das Fest für die Kirche anordnete. Zuvor soll im Jahr 1209 eine Nonne, Juliana von Lüttich, eine Erscheinung gehabt haben. Jesus selbst soll ihr erschienen sein. In der Vision soll er der Nonne gesagt haben, dass im Kirchenkalender noch ein Feiertag fehle.

Der Ursprung des Festes liegt aber prinzipiell an einer anderen Stelle: im letzten Abendmahl. Mit seinen zwölf Aposteln kam Jesus laut christlicher Lehre am Gründonnerstag zum letzten Abendmahl zusammen - vor seinem Tod am Kreuz. Er teilte bei diesem berühmten Abendmahl das Brot und sagte dazu: "Das ist mein Leib." Als er den Wein teilte, sagte er: "Das ist mein Blut." Die Gestaltung des Abendmahls durch einen Geistlichen in der christlichen Kirche wird in der Theologie als Eucharistie bezeichnet. 

Gefeiert wird von den Gläubigen also die Gegenwart Jesu. Im Zentrum steht dabei die Hostie, die den Leib des Messias symbolisieren soll.

Es gehört wohl zu den mit Abstand bekanntesten Bildern der Welt: "Das Abendmahl" von Leonardo da Vinci entstand Ende des 15. Jahrhunderts. Der Universalgelehrte verzichtete auf die Darstellung von Heiligenscheinen.

Erst durch die Lutherbibel manifestierte sich der Begriff des Abendmahls. Eines der wohl berühmtesten Gemälde der Welt stammt von Leonardo da Vinci und heißt "Das Abendmahl". Das Wandbild entstand zwischen 1494 und 1497 und zeigt Jesus gemeinsam mit den zwölf Aposteln.

Wie wird Fronleichnam gefeiert?

Wer jetzt denkt, es hagelt Geschenke oder noch einmal Ostereier, der irrt. Denn die Feierlichkeiten bestehen in Deutschland aus zwei Teilen. 

1. Feierliche Messe - im Gottesdienst kommt die Gemeinde zusammen. Es folgen ein Wortgottesdienst und die Eucharistiefeier mit den Gaben Brot und Wein.

2. Prozession - ganze Straßenzüge werden bunt geschmückt, bevor der Prozessionszug seinen Weg aufnimmt. Mit der Prozession zeigen die Gläubigen, dass Jesus bei ihnen ist. Ein Geistlicher - meist geht er voran - und die Kirchengemeinde tragen symbolisch den Leib Christi durch die Straßen. Verkörpert wird Jesus durch eine Hostie. 

Hier kommt die Hostie rein: Die runde Vorrichtung zum Befestigen der Hostie (symbolisch für den Leib Christi) im Aufsatz heißt Lunula. Eine Monstranz ist in aller Regel ziemlich prunkvoll und reich geschmückt. 

Sie wird im Regelfall in einer Monstranz transportiert. Dabei handelt es sich um eine aufwändig und kostbar verzierte Halterung, in der die Hostie zur Schau gestellt wird. Die Monstranz wird meist von einem Stoffhimmel überdacht. Gemeindemitglieder tragen auch Fahnen und Blumen.

Fronleichnam-Prozession während des Hessentags in Korbach

Fronleichnam: Prozession am Hessentag

Tanzverbot an Fronleichnam in Hessen

Die meisten wissen, dass es in Hessen ein offizielles Tanzverbot an Karfreitag gibt. Doch auch an Fronleichnam ist in diesem Bundesland Ruhe angesagt: von 4 Uhr bis 12 Uhr sind Tanzveranstaltungen untersagt. Das gilt übrigens auch für Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Bayern ist beispielsweise deutlich strenger bei der Überprüfung des Tanzverbotes. Das Hessische Innenministerium hat auf seiner Homepage eine detaillierte Aufzählung, was an gesetzlichen Feiertagen verboten ist. Wer sich nicht an die Regelung hält, riskiert ein Bußgeld aufgedrückt zu bekommen.

Rubriklistenbild: © Sebastian Willnow/dpa

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