Früh auf schiefer Bahn

Im Drogenrausch Waldhütte in Brand gesteckt – Lange Bewährung für junge Männer

Fritzlar. Drei Jugendliche aus der Region standen vor den Schranken des Jugendschöffengerichtes in Fritzlar. Sie mussten sich wegen versuchter Brandstiftung verantworten. Eine weitere Beteiligte wurde bereits an ihrem Wohnsitz verurteilt.

Im vergangenen Frühjahr waren die Männer 18 und 19 Jahre alt, das Mädchen sogar erst 15. Die beiden Pärchen fuhren in lauer Mainacht zur Waldhütte des örtlichen Schachklubs. Polizeifotos zeigen Kippen, leere Wodkaflaschen und Bonbons.

Nicht zu sehen ist Heroin, ausreichend für die Nacht. Es wurde durch die Nase konsumiert. Die Jungs hüpften auf dem Dach herum. Dann misslang der Einbruch ins Damen-WC. Die Tür zum Geräteschuppen ließ sich aufbiegen. Innen ein Kanister. Ein Feuerzeugtest ließ Flammen aufschießen. Die Mädchen hörten die Schreie und retteten die beiden, indem sie einfach den Türriegel aufschoben. Es entstand ein Sachschaden von mehr als 30.000 Euro, als die Hütte abbrannte.

Die Angeklagten begannen, ihren Lebenslauf zu schildern. Schon nach kurzer Zeit wirft der Richter leise ein, er bedauere, dass keine Schulklasse anwesend sei. Die junge Frau nahm erstmals Drogen mit elf Jahren. Die Jungs etwas später. Nikotin, Alkohol, Marihuana, Heroin, Kokain, Crystal, Pilze, Ecstasy, Industriereiniger… Es gab Überfälle, Diebstähle, Hehlerei, Computerbetrug.

Hilfe gesucht 

Immer wieder wurde aber auch Hilfe gesucht. Merxhausen, Marsberg, Kinder- und Jugendpsychiatrie Kassel, eine Klinik in Herborn, Haina, Pflegestellen, doch hinter allen abgebrochenen Versuchen die höllische Maske der Suchtkrankheit. Stundenlang rangen Gericht, Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Behördenvertreterinnen um eine Entscheidung.

Im Drogenrausch waren die jungen Leute vermindert schuldfähig. Alle Drei haben eine günstige Prognose, denn sie haben in diesem Jahr keine Straftaten begangen. Die beiden Männer erhalten eine lange Bewährungszeit mit zahlreichen Auflagen. Die junge Frau wird freigesprochen. Aufatmend erklären sich alle bereit, gebotene Hilfen anzunehmen.

Der Richter spricht den Schlusssatz: „Als Vater und Bürger bin ich erschüttert. Von einer unbeschwerten Kindheit und Jugend kann hier nicht gesprochen werden.“ (me)

Quelle: HNA

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