Kartoffelvielfalt zurzeit stark eingeschränkt

Wegen Regen und Kälte: Frühe Knolle kommt spät

Kartoffeln sind ihr täglich Brot: Kirsten (links) und Christine Althans verkaufen auf dem Melsunger Wochenmarkt zurzeit noch Ware aus Rheinland-Pfalz. In der kommenden Woche starten sie die Ernte im heimischen Betrieb in Lohfelden. Foto:  Brandau

Schwalm-Eder. In diesem Jahr hat die Ernte große Ähnlichkeit mit der Bahn: Sie kommt oft mit massiver Verspätung. Nicht nur Spargel, Erdbeeren, Raps und Rüben sind wegen der anhaltenden Kälte echte Spätzünder, auch die Frühkartoffeln in der Region lassen auf sich warten.

Der Grund dafür liegt für Dr. Bernd Wenck, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, auf der Hand: „Statt Wachstum gab es in diesem März nur Frost – es war das kälteste Frühjahr, das wir je hatten.“

Die Landwirte in der Region bekommen die Konsequenzen aus diesem erst eisigen, dann nassen Frühling deutlich zu spüren. Zurzeit sind es die Kartoffelbauern, die seit Wochen in den Startlöchern stehen, um die neuen Knollen aus dem Boden zu holen. Die alten Kartoffeln sind fast alle, die meisten Keller gähnend leer – die frühen Sorten aber noch im Boden.

Auch Heiko Martin aus dem Felsberger Stadtteil Lohre hätte gerne längst mit der Kartoffellese begonnen. In der kommenden Woche soll es jetzt auf seinen Äckern endlich losgehen. „Das ist wirklich ein turbulentes Jahr“, sagt Martin. „Erst der späte Frost, dann der andauernde Regen, dann noch das Hochwasser – da wird es viele Ausfälle geben“, ist er sich sicher. Und das wiederum werde sich auf die Preise niederschlagen, denn: „Die Nachfrage aus der Stärkemehl-Industrie ist zurzeit groß.“

Auch Alwin Köhler aus Homberg-Lützelwig hätte gerne – wie sonst üblich – schon Mitte Mai auf dem Kartoffelacker gestanden. Die Natur hinke dem Kalender mindestens drei Wochen hinter, sagt Köhler. Zudem habe das Hochwasser zu Beginn des Monats manches Feld in der Region verwüstet, wenn nicht zerstört. „Viele Fläche sind einfach abgesoffen, die Kartoffelpflanzen verfault.“ Diese Mengen fehlten nun dem Einzelhandel.

Nur wenige Sorten

Kai Mohr, Inhaber der Rewe-Märkte in Homberg und Spangenberg, bestätigt das. Zwar gebe es kein Problem beim Nachschub, wohl aber bei der Vielfalt: „Zurzeit haben wir nur drei Sorten Kartoffeln vorrätig“, sagt Kai Mohr. So wenig nie sonst nie: „Normalerweise bieten wir unseren Kunden ein gutes Dutzend Sorten an“, sagt Mohr.

Bei Edeka-Pflaum in Frielendorf sei von Engpässen keine Rede: „Die ersten deutschen Frühkartoffeln sind angerollt“, sagt Wolfgang Pflaum vom gleichnamigen Edeka-Markt. „Die neue Ware ist natürlich nicht ganz billig“, sagt der Kaufmann. „Aber wer günstige Kartoffeln haben will, muss eben die alten essen. Die müssen ja auch vom Markt.“

Quelle: HNA

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