Reportage: Glühweinfahrt der Eisenbahnfreunde führte nach Limburg und Koblenz

Wie früher auf der Schiene

Reisten mit im Nostalgiezug: (von links) Barbara, Naoki, Mika und Horst Miersemann. Fotos: Decker

Treysa. Qualmend und laut pfeifend fuhr am Sonntagmorgen die Dampflokomotive 01 1533-7 mit Schlepptender, Wasserwagen, Großraumwaggons, einem Abteilwagen und dem neuen Speisewagen der Eisenbahnfreunde Treysas in den Bahnhof von Treysa ein.

Die Fahrgäste warteten gespannt am Bahnsteig. Kaum stand der Zug, ließen sich einige Mitfahrer vor der eindrucksvollen Lokomotive fotografieren. Mit einer originalgetreuen kleinen Verspätung rollte der Nostalgiezug in Richtung Limburg an der Lahn.

Über 650 Fans der Bahngeschichte saßen in den Waggons und genossen das Gefühl, wie in den 60er- und 70er-Jahren unterwegs zu sein. Marion Breunig erinnerte sich noch gut, wie sie als kleines Mädchen immer die Strecke zwischen Frankenberg und Limburg gefahren ist. „Meine Mutter holte mich immer mit der Bahn ab, damit ich ein paar Tage zuhause sein konnte“, erzählte Breunig, die bei einer Pflegefamilie aufgewachsen ist und nur zu Besuch zu ihrer Mutter durfte. „Dieses Rütteln in den Kurven und die lauten Geräusche der Räder auf den Schienen ist genau wie früher“, so die gebürtige Limburgerin, die an diesem Sonntag mit ihrer eigenen Tochter unterwegs war.

Barbara und Horst Miersemann saßen mit ihren zwei Enkelkindern Mika und Naoki im Zug. „Seit einem Jahr erzählt Naoki von der jüngsten Reise mit einer Dampflok“, berichtete Barbara Miersemann. „Obwohl er damals erst drei Jahre alt war, hat ihn die Reise tief beeindruckt. Deswegen sind wir heute wieder dabei.“

Wunderschöne Landschaften

Die Reisenden genossen während der dreistündigen Fahrt die wunderschöne Strecke, die von Wetzlar bis Limburg immer wieder parallel zur Lahn führte. Rufe wie „Schau, zwei Hasen“ oder „Die Lahn hat ja sogar Stromschnellen“ waren zu hören. Ein einheitliches „Huch“ durchdrang die Waggons, als der Nostalgiezug den ersten Tunnel erreichte.

Bis auf eine kleine Notbeleuchtung war es schlagartig dunkel, und vor allem die Kinder warteten danach gespannt auf die nächsten Tunnel. Die Eisenbahnfreunde verteilten Glühwein, Kinderpunsch und Lebkuchen und beantworteten geduldig alle Fragen der Fahrgäste zur Lokomotive und Waggons. „Die Lokomotive haben wir geliehen, da unsere noch keinen neuen Tüv hat“, sagte Udo Packleppa, einer der zwei Dampflokomotivführer des Vereins. Noch sei nicht klar, wann sie genügend Geld für die notwendigen Reparaturen hätten. „Desto mehr wir selber reparieren, desto günstiger ist es, aber desto länger dauert es“, so der Eisenbahnfreund.

In Limburg angekommen hieß es für die Fahrgäste die Stadt mit Weihnachtsmarkt und Dom erkunden oder spontan die Weiterfahrt nach Koblenz buchen. Abends gegen 20 Uhr kündigte die Dampflokomotive mit lautem Pfeifen ihr Nachhausekommen im Heimatbahnhof Treysa an.

Von Christiane Decker

Quelle: HNA

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