Früheres Global-Care-Patenkind ist Bürgermeisterin in Itaituba/Brasilien

Aus dem Slum ins Rathaus

Fritzlar/Brasilien. Es mutet an wie eine Geschichte aus dem Märchenbuch: Ein Mädchen aus den Slums der brasilianischen Goldgräberstadt Itaituba, mitten im Regenwald an der Transamazonica gelegen und flächenmäßig fast so groß wie Bayern, schafft es bis an die Spitze der Verwaltung, wird sogar zur Bürgermeisterin gewählt.

Für die heute 42-jährige Eliene Nunes steht jedoch fest, dass nicht ein Wunder, sonders ganz praktische Hilfe und Unterstützung durch das Kinderhilfswerk Stiftung Global-Care aus Fritzlar ihr Schicksal bestimmten. Wie bei vielen anderen Kindern liegen auch Elienes Wurzeln in einer einfachen Holzbaracke in einem Armutsgebiet von Itaituba. Mütter ziehen ihre Kinder häufig allein auf, die Väter kommen manchmal von der Goldsuche im Urwald nicht mehr nach Hause – so auch Elienes Vater.

Die Armut ist in der 100.000-Einwohner-Stadt am Tapajos, einem der größten Nebenarme des Amazonas, immer greifbar. Der größte Traum vieler Kinder sind nicht die neuesten Spielsachen, sondern einmal einen vollen Teller mit Essen ganz allein für sich zu haben. Eliene erzählt ihre Lebensgeschichte Reinhard Berle, dem Vorsitzenden von Global-Care. Bei einer Fahrt durch Itaituba zeigt sie plötzlich auf eine verfallende Hütte und sagt: „Das ist mein Elternhaus!“

Dann wird sie nachdenklich und erinnert sich unter Tränen, wie sie den Lastwagen als Kind nachgelaufen ist, die mit Ernteprodukten über die Erdstraße geholpert sind. „Wir haben gehofft, dass etwas runterfällt, damit wir ein wenig zu essen haben!“ In der Tagesstätte, die das Kinderhilfswerk Global-Care in Itaituba betreibt, erlebte die kleine Eliene, dass ein ganzer Teller mit Nahrung für sie allein zur Verfügung steht. Ein Traum geht in Erfüllung. Durch die Unterstützung über eine Patenschaft besuchte sie später eine Schule und absolvierte eine Ausbildung. Eliene schaffte es bis zur Lehrerin, viele Jahre unterrichtete sie in der Schule vom Kinderhilfswerk in Itaituba.

Dann wurde die engagierte Frau zur leitenden Mitarbeiterin in der Kommunalverwaltung und jetzt, am 7. Oktober, schließlich zur Bürgermeisterin Itaitubas gewählt. Ihr Glaube spielt bis heute wichtige Rolle in ihrem Leben, bestimmt auch weiterhin ihren Alltag. Wenn beispielsweise Bauunternehmer durch Bestechung sich einen Vorteil verschaffen wollen, dann weist sie auf ihre gelebten Werte hin: „Ich komme aus einer Favela-Hütte, ich weiß, was Armut und Hunger bedeutet. Ich weigere mich, bei der Korruption mitzumachen!“ (ula)

Quelle: HNA

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