Krankenkasse lenkt ein

Frührentnerin kämpfte nach einer Operation um ihre stationäre Reha

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Liegen oder laufen: Annemarie Knapp in ihrem Wohnzimmer in Leimsfeld. Das Sofa hat Ehemann Hans-Georg mit Gartenmöbelauflagen so aufgepolstert, dass die frischoperierte Bandscheibenpatientin ausgestreckt liegt.

Frielendorf. Ausgerechnet zur Herbstferienzeit: Annemarie Knapp musste ungeplant operiert werden. Die Bandscheiben-OP verlief im Asklepios-Klinikum Ziegenhain erfolgreich, trotzdem war die leicht gehbehinderte und schon lange frühverrentete Erzieherin bei der Entlassung am Boden zerstört.

Ihre stationäre Anschlussheilbehandlung, kurz Reha, war telefonisch abgesagt worden. Doch warum? Und was sollten sie nun tun? Im Gespräch mit der HNA schilderten Annemarie Knapp und ihr Mann Hans-Georg (64) ihren Eindruck: Sollte die Frischoperierte, die in der Vergangenheit bereits vier Hüft-OPs hatte, nicht in die stationäre Reha, weil sie Rentnerin ist? „Bin ich eine Betroffene der Zweiklassen-Medizin?“, fragte sich die 63-Jährige.

Denn: Mitpatienten mit dem gleichen Krankheitsbild, so berichteten sie und ihr Mann, bekamen die Reha-Zusage ohne Weiteres. Einziger Unterschied nach Eindruck des Ehepaars Knapp: Diese Leidensgenossen stehen noch im Berufsleben, für Annemarie Knapp als Frührentnerin muss hingegen die Krankenkasse die Rehakosten bezahlen. Hans-Georg Knapp dazu: „Wer Kostenträger ist, das ändert doch an der Schwere der Krankheit nichts.“

Denn der schlanken, sportlichen Annemarie Knapp geht es schlecht. Nach den üblichen fünf Tagen in der Klinik war die Leimsfelderin wieder aus der Klinik zu Hause. Unglücklicherweise ist aber Urlaubszeit. Der Hausarzt hat Urlaub, Ferienzeit auch in den anderen Praxen. Alles sei so überlaufen, dass man der Patientin bei einem anderen Arzt zunächst nicht einmal verbindlich einen Termin geben konnte, berichtete das Ehepaar. Beide haben dabei volles Verständnis für die Ärzte und ihre Praxisteams, schließlich sind Schulferien.

Aus Kulanz springt die Asklepios-Klinik ein, dort werden nun ausnahmsweise die Operationsfäden gezogen. Der Operateur ist übrigens ebenfalls im Urlaub.

Nicht nur, dass die Frischoperierte, die ausschließlich liegen oder laufen darf, ärztliche Begleitung vermisst, auch die zur Reha-Beantragung nötig erscheinende Dokumentation ihrer 30 Jahre langen Vorgeschichte ist derzeit ausgeschlossen - eben weil die Hausarztpraxis geschlossen ist. Eine Vorbereitung war aber nicht möglich, da der Eingriff ungeplant nötig wurde.

Auf HNA-Nachfrage: Krankenkasse rudert zurück

Auf Nachfrage unserer Zeitung wurde der Fall der Leimsfelderin jetzt bei ihrer Krankenkasse neu aufgerollt. Einen Tag nach einer schriftlichen Absage mit Begründung kam doch noch die Zusage.

Ein Sprecher der DAK erklärte dazu, dass dem Medizinischen Dienst der Abschlussbericht der Klinik noch gar nicht vorgelegen habe. Aufgrund dieses Berichtes sei man zu einer anderen Einschätzung gelangt, nämlich, dass Annemarie Knapp die Reha doch erhalten sollte.

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Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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