Urkundenfälschung vor Gericht: Der Führerschein war gekauft

Schwalmstadt. Weil er sich mittels eines gefälschten russischen Führerscheins einen ungarischen Führerschein besorgt haben soll, musste sich am Donnerstag ein 32-Jähriger aus dem Altkreis Ziegenhain wegen Urkundenfälschung vor dem Amtsgericht in Treysa verantworten.

Dem Mann wurde vorgeworfen, sich den ungarischen Führerschein mit Hilfe einer in Süddeutschland ansässigen Vermittlungsagentur beschafft zu haben. Der Angeklagte soll sich mehrmals in Budapest aufgehalten und für den dort erworbenen Führerschein rund 3000 Euro gezahlt haben.

Das Verfahren gegen den 32-Jährigen wurde vorläufig eingestellt. Er muss 1200 Euro an den Bund gegen Alkohol im Straßenverkehr zahlen.

Sein Mandant sei in Deutschland zweimal durch die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) gefallen, erklärte der Anwalt des 32-Jährigen. Bei der zuständigen ungarischen Behörde habe er einen Führerschein beantragt, nachdem man ihm in Deutschland wegen Fahrens unter Alkohol die Fahrerlaubnis entzogen habe. Einen russischen Führerschein habe sein Mandant nie besessen. Inzwischen habe er die MPU bestanden und die Fahrerlaubnis wiedererlangt.

Wie ein Foto und die Unterschrift des Angeklagten auf den gefälschten russischen Führerschein gelangen konnten, wollten Staatsanwalt und Richter wissen. Zudem seien die Fotos der beiden Führerscheine nicht identisch. In Ungarn habe man ihm gesagt, das Format der mitgebrachten Fotos sei nicht in Ordnung, erwiderte der Angeklagte. Er sei vor Ort nochmals fotografiert worden.

Viele Unterschriften

Als er die Dokumente unterschrieben habe, sei eine Übersetzerin anwesend gewesen, die ihm bei den Formalitäten geholfen habe. Auf die Vermittlungsagentur sei er im Internet gestoßen. Für den ungarischen Führerschein habe sein Mandant diverse Dokumente unterschreiben müssen, sagte der Verteidiger: „Er war da absolut gutgläubig. Die Urkundenfälschung muss ihm bewiesen werden.“

Bei einer Kontrolle durch die Polizei hatte der Angeklagte den ungarischen Führerschein vorgelegt. Ein Polizeibeamter gab an, er habe die gegen die Führerscheinvermittler ermittelnden Kollegen in Passau informiert. Der 32-Jährige sei als Zeuge vernommen worden. Er sei von Beginn an kooperativ gewesen und habe alle Unterlagen vorgelegt.

"Führerschein-Tourismus"

Zwei Polizeibeamte aus Passau reisten zur Verhandlung an. Am Landgericht Landshut laufe ein Verfahren gegen zwei Vermittler, berichteten sie. Die beiden sollen in großem Stil Führerscheine aus Ungarn vermittelt haben. Insgesamt rund 700 Interessenten hätten sich bei den Agenturen gemeldet. Die Budapester Behörde und die ungarischen Kollegen wüssten um den „Führerschein-Tourismus“, hätten jedoch nach eigenen Angaben keine Möglichkeit die vorgelegten Führerscheine auf ihre Echtheit zu überprüfen.

Laut Zeugenaussagen erhielten die Interessenten vor Betreten der ungarischen Behörde die Unterlagen und den gefälschten Führerschein zur Ansicht. Auch eine Erklärung in drei Sprachen sei laut Zeugenaussagen dabei.

Quelle: HNA

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