Die ehemalige Hebamme Waltraud Wagnitz erzählt, wie es früher war

Aus dem Hebammen-Nähkästchen: Ein Tag mit fünf Geburten

Betreuung im Kreißsaal: Gestern vor 21 Jahren wurde Dominik in der damaligen Hessenklinik geboren. Hebamme Waltraud Wagnitz betreute die Mutter Christine Trotte. Foto: privat

Bründersen. Es gab Tage, da betreute Hebamme Waltraud Wagnitz ganz allein bis zu fünf Schwangere auf der Geburtstation. „Wir zwei Hebammen, arbeiteten im Wechsel jeweils 24 Stunden durch“, erzählt die Rentnerin.

Ein Knochenjob, aber nichts Ungewöhnliches Anfang der 80er-Jahre in der damaligen Wolfhager Hessenklinik. Die 72-Jährige ist die älteste noch lebende Hebamme, die miterlebt hat, wie die Geburten in den 80er-Jahren stetig anstiegen und schließlich in den Jahren 1995/96 mit über 400 Geburten ihren Höhepunkt erreichten. 2500 Kinder hat sie während ihrer Tätigkeit zur Welt gebracht.

Vorbereitungskurse

Zu diesem enormen Anstieg hat die Bründerserin selbst mit beigetragen. Als einzige Hebamme in der Region bot sie in den 80er-Jahren nach Feierabend Vorbereitungskurse für Schwangere an. Die Kurse über die Volkshochschule waren stets rappelvoll. Manchmal gab es zwei Kurse gleichzeitig. „Die Frauen kamen von weit her, weil es ein solches Angebot bis dato nirgends gab.“

Dabei stellte sie den Frauen neben Atemübungen und Gymnastik auch die Arbeit der Klinik vor und führte sie am letzten Abend durch den Kreißsaal. „Später kamen die Frauen zum Entbinden zu uns.“ Viel Kraft, die Waltraud Wagnitz in das Wolfhager Krankenhaus investiert hat und ein Grund, warum sie in diesen Tagen mit einem Gefühlsmix aus Trauer und Enttäuschung über die Schließung der Geburtshilfe kämpft.

Wagnitz hatte schon einige Jahre als Kinderkrankenschwester in der Klinik gearbeitet, als 1981 die zweite Hebammenstelle frei wurde.

„In dieser Zeit sei die Klinik technisch schon auf einem sehr modernen Stand gewesen. Es gab unter anderem Wehenschreiber, Geburtswanne und Ultraschall.

„Wir waren fest angestellt, das Problem der Haftpflichtversicherung stellte sich damals nicht, da der Kreis als Dienstherr für seine Angestellten haftete.“ Die Klinik habe in all den Jahren einen ausgezeichneten Ruf in der Region genossen, sagt sie. Natürlich auch durch die Ärzte, die für weiteren Zulauf in der Geburtshilfe gesorgt hätten.

„Wir waren fest angestellt, das Problem der Haftpflichtversicherung stellte sich damals nicht, da der Kreis als Dienstherr für seine Angestellten haftete.“

Nach und nach wurden vier feste Hebammen-Stellen geschaffen. Als die Bründerserin Mitte der 90er-Jahre in Rente ging, wurde ihre Stelle mit einer freien Hebamme besetzt. Dies geschah in den folgenden Jahren immer wieder, wenn eine der Hebammen in den Ruhestand ging.

Minijob verlängert

Die letzte fest Angestellte, Marica Maric, wurde Anfang dieses Jahres verabschiedet. Um kurze Zeit später wieder als Minijobberin angefordert zu werden. Die fest Angestellten hatten bisher die Büroarbeiten erledigt und da blieb einiges liegen.

Maric hat noch vor ein paar Wochen eine Verlängerung ihres Minijobs bis Ende 2014 unterschrieben.

Quelle: HNA

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