Behörden: Alles wie geplant

Fünf Meter für die Fische: Müller befürchtet Einbußen durch Aufstiegsanlage

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Liegt noch trocken: Müller Gerhard Honert (rechts) und Baggerfahrer Steffen Stippich stehen vor der Fischtreppe.

Schlierbach. Müllermeister Gerhard Honert steht auf seinem aufgebaggerten Grundstück und schüttelt den Kopf. Seit vier Wochen entsteht eine so genannte Fischaufstiegsanlage: Sie soll den Fischen eine ungehinderte Wanderung flussaufwärts in der Schwalm ermöglichen.

Kurzclip:

Honert, der mit der Wasserkraft der Schwalm seine Mühle betreibt und mittels einer Turbine außerdem Strom erzeugt, ist entsetzt über die Ausmaße der Fischtreppe vor seinem Küchenfenster. „Das ist doch unnormal“, klagt er. Fünf Meter ist die Rinne oben breit, unten misst sie 1,65 Meter.

Der Müllermeister befürchtet nun wirtschaftlichen Schaden für seine Mühle. Denn 380 bis 400 Liter Wasser pro Sekunden müssten demnächst durch den Ausgang der Fischrinne fließen, damit die Tiere sie für ihren Aufstieg nutzen können. Und diese Wassermenge werde ihm für seine Turbine dann fehlen, sagte Honert.

Lösung für zwei Probleme

Dabei schien der Bau der Anlage eine gute Lösung für gleich zwei Probleme zu sein: Weil das Wehr der Mühle für die Fische ein unüberwindbares Hindernis darstellt, musste etwas geschehen, denn eine Verordnung der Europäischen Union schreibt vor, dass Gewässer wieder in einen ökologisch einwandfreien Zustand zu bringen sind. Außerdem suchte das Kasseler Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) mögliche Projekte als Ausgleichsmaßnahme zum geplanten Bau der Autobahn 49, die im Schwalmtal verlaufen soll. Der Bau der Fischtreppe passte da genau ins Konzept – ohne Kosten für den Müller und die Gemeinde. Nach Aussagen des ASV wurden für die Anlage 160.000 Euro veranschlagt.

Die Kritik des Müllers nicht nachvollziehen kann Axel Sobirey von der Gesellschaft für Wasserwirtschaft, Gewässerökologie und Umweltplanung (WAGU). Er hat die Fischtreppe geplant und sagt: „Die Anlage entspricht aktuellen Anforderungen.“

Für eine Naturrinne

Eine Rinne aus Stahlbeton hätte nach Ansicht Sobireys zwar weniger Fläche in Anspruch genommen, doch die Naturrinne sei eigens auf Wunsch von Gerhard Honert gebaut worden. Die benötige nun mehr Platz.

Günter Sander vom Kasseler Regierungspräsidium, der den Bau genehmigt hat, erläutert das: „Der Untergrund in der Schwalmaue ist sehr sandig“, sagt er. „Die Gefahr, dass die Böschung abrutscht, ist sehr hoch.“ Deshalb musste die Böschung flach und breit angelegt werden. Darüber sei Honert informiert gewesen.

„Wir nehmen ihm das Wasser nicht weg“, betont Sander. Die genannte Wassermenge hätte aus Naturschutzgründen sowieso in der Schwalm verbleiben müssen.

Quelle: HNA

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