80 Jahre unfallfrei - 100-Jähriger würde auch heute noch fahren

+
Hans Pfränger

Oberaula. Bis zum 9. Februar 2011 hatte Hans Pfränger im Verkehr immer Glück. Fast 81 Jahre war der 100-Jährige unfallfrei unterwegs gewesen. Er vergleicht das Glück mit jenem, das er im Krieg gehabt hatte: „Die Kugeln sausten an mir vorbei: Sitt, sitt, sitt. Für mich war keine dabei.“

Lesen Sie auch:

Polizei-Statistik: Senioren sind kein großes Verkehrsrisiko

Die Kugel im Straßenverkehr war für Pfränger ein Motorradfahrer, dem er an diesem Februartag die Vorfahrt genommen hatte. Auch wenn er seitdem nicht mehr fährt - sein Auto ist kaputt, beide Fahrer blieben unverletzt - will er seinen Führerschein nicht abgeben.

Die graue und in den Jahren weich gewordene Pappe ist dem Oberauler heilig. Sie wurde am 20. Juni 1930 ausgestellt und sicherte dem 100-Jährigen bereits vor dem Zweiten Weltkrieg einen Broterwerb. Viele Jahre war er als Fahrer für Handelsreisende in der Textilbranche unterwegs und lieferte Schusterartikel aus - auch Omnibusse hat er gefahren.

Fahrstunden waren kostenlos

„Fünf Mark hab ich damals für meine Führerscheinprüfung bezahlt“, erinnert sich Pfränger. Für die Fahrstunden musste er nichts bezahlen. Als er als 20-Jähriger vom Maschinen- auf Autoschlosser umschulte, übernahm sein Treysaer Ausbildungsbetrieb die Fahrstunden.

Hans Pfrängers am 20. Juni 1930 ausgestellten Führerschein mehrerer Klassen.

Auf die Frage, ob er sich mit 100 Jahren noch sicher hinter dem Steuer gefühlt habe, wird Pfränger deutlich: „Ich hab mich immer sicher gefühlt. Ich habe im Krieg höhere Offiziere gefahren und bin in den ersten Kriegsjahren ein paar Millionen Kilometer gefahren, Tag und Nacht.“ Weil es noch keine Autoheizung gab, legte er sich im Winter heiß gemachte Backsteine in den Fußraum. Den Scheibenwischer musste er mit einem kleinen Hebel per Hand bedienen.

Fotostrecke mit historischen Bildern

80 Jahre unfallfrei - Hans Pfrängers historische Auto-Fotos

Aus den Millionen Kilometern waren zuletzt noch einige wenige Kilometer geworden, die er rund um Oberaula zurücklegte: Seine Fahrten führten zur Apotheke und zum Arzt. „Meine Tochter wollte nicht, dass ich weitere Strecken fahre.“

Dass er nach seinem Unfall nun gar nicht mehr fahren kann, findet der Rentner „furchtbar“. Er ist nicht nur schon sehr lange, sondern auch gerne mobil: Sein erstes eigenes Gefährt war ein Motorrad mit Beiwagen der Marke Victoria. Das erste eigene Auto, einen Fiat, gönnte er sich, als er in den 50er-Jahren als Justizangestellter im Amtsgericht Homberg anfing. Er entdeckte er als einer der ersten Deutschen die Faszinationen des Automobil-Zeitalters.

Dessen Schattenseiten wurden ihm dann im Februar gegenwärtig, als er in seinem Mercedes einen Motorradfahrer übersah. „Ich weiß bis heute nicht, wie das passiert ist.“

Nur mit dem Hören hat er Probleme

Mit einer Altersschwäche habe der Unfall sicher nichts zu tun gehabt: „Ich bin noch voll da, sehe noch sehr gut und kann mich in alle Richtungen drehen..“ Und in der Tat macht der 100-Jährige einen wacheren Eindruck als mancher, der 30 Jahre jünger ist. Nur mit dem Hören hat er seine Probleme, aber da hilft ihm das Hörgerät.

Im Juni wird Hans Pfränger 101. Er nennt es seinen ersten Geburtstag. Und wenn seine ältere A-Klasse nicht ein wirtschaftlicher Totalschaden geworden wäre, wüsste er, was er auch dann noch weiter tun würde: „Ich würde mich sofort ins Auto setzen und losfahren.“ Ein neues Auto will er sich aber nicht kaufen: das lohne sich nicht mehr.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare