Mit hofeigenem Schlachthaus

Stress vorm Fest: Züchter aus Wabern schlachten 550 Gänse bis Weihnachten

Ganz freiwillig stand sie nicht Model: Markus und Alexandra Fuhrmann aus Zennern mit einer der 550 Gänse, die sie im Waberner Ortsteil halten – und in den kommenden Wochen schlachten werden. Foto:  Brandau

Wabern. Bei Markus und Alexandra Fuhrmann beginnt Weihnachten im Sommer. Im Juli stallen sie immer die Gänse ein, die im Dezember quasi von der Fuhrmannschen Wiese auf kurzen Wegen in die Backöfen seiner Kunden wandern.

Exakt 550 Gänseküken waren es, die Fuhrmanns im Sommer auf die zwei Hektar große Wiese am Ortsrand von Zennern setzten, sie mit Mais und Stroh versorgten und aufpäppelten. Aus den weißen Winzlingen sind stattliche Gänse geworden - und deren letztes Stündlein rückt nun täglich näher.

Am Martinstag fiel der offizielle Startschuss fürs Gänseschlachten, doch in Zennern herrscht noch die Ruhe vor dem Sturm. Die Nachfrage nach Gänsebraten ist zurzeit noch sehr gering. Erst im Dezember geht es dem Federvieh in großer Stückzahl an den Kragen: Bis zu 120 Tiere schlachtet die Familie Fuhrmann an einem einzigen Vormittag in ihrem hofeigenen Schlachthaus.

Nur nicht transportieren 

Ganz emotionslos geht der 33-Jährige dabei aber nicht ans Werk: „Ich mag Gänse, sie sind einfach sehr friedliche Tiere“, sagt Fuhrmann. Doch trotz aller Sympathie hilft den Gänsen nichts: Fuhrmann schlachtet sie selbst.

Ein Transport der Tiere in ein Schlachthaus kommt für ihn nicht in Frage, denn das bedeute riesigen Stress für Mensch und Tier, sagt der Zennerner. Schließlich könne man das Federvieh nicht einfach wie Kühe in den Hänger treiben, sondern müsse es in Pferche setzen und so auf die Reise schicken. Eine Reise, die für die Gänse zur Tortur werde und oft mit blauen Flecken und gebrochenen Flügeln ende.

Dieses Elend wollen Fuhrmanns ihren Tieren keinesfalls zumuten. Sie treiben sie direkt aus dem Stall ins Schlachthaus. „Sie wissen dann ganz genau, dass ihr letztes Stündlein geschlagen hat“, ist sich Markus Fuhrmann sicher. Statt zu fliehen, scharten sie sich schicksalsergeben zusammen und harrten der Dinge, die da unweigerlich kämen.

Nur keine Federkiele 

Diese Dinge kommen tatsächlich unweigerlich, denn ohne Schlachtung gäbe es keinen Gänsebraten: Bis zum 22. Dezember sind alle Ställe leer. Die Fuhrmanns haben ihren Schlachtbetrieb über die Jahre perfektioniert, haben in jedem Jahr dazugelernt und längst auch den komplizierten und langwierigen Prozess des Rupfens in den Griff bekommen: „Niemand will eine Weihnachtsgans, aus der er noch mühsam kleine Federkiele pulen muss“, sagen Markus und Alexandra Fuhrmann.

Die beiden verstehen ihre Gänse als landwirtschaftliche Urproduktion - und die wissen die Kunden zu schätzen. Es sind vor allem Privatleute, die die Fuhrmannschen Gänse zu schätzen wissen und sie zu Weihnachten in den Bratofen schieben.

Für Fuhrmanns ist der Heilige Abend vor allem ein ruhiger Abend. „Dann fällt der ganze Stress von uns ab“, sagten die beiden. Bis zum Sommer werden sie erstmal keine Gans sehen. Aber das, sagen die beiden, sei nach dem Trubel im Dezember alles andere als schlimm.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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