Überflutete Grundstücke und Keller: gelassene Bewohner 

Röhrenfurth/ Melsungen. Ohne Gummistiefel geht hier gar nichts mehr. Karl-Heinz Schneider steht am Montagvormittag mit seinen Tretern noch immer knöcheltief im Wasser, bevor er die drei Stufen zu seinem Haus Am Sägewerk in Röhrenfurth hochgehen kann.

Die braune Brühe ist aber schon deutlich zurückgegangen, seit die Fulda in der Nacht von Samstag auf Sonntag über die Ufer getreten ist und für zahlreiche unter Wasser stehende Keller gesorgt hat.

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Zwar ist der 71-Jährige in Röhrenfurth direkt an der Fulda aufgewachsen und so gesehen ein alter Hochwasser-Hase, das schützt ihn dieses Mal aber nicht vor nassen Füßen. „Ich war übers Wochenende weg. Als ich am Sonntagnachmittag nach Hause kam, musste ich mir Schuhe und Socken ausziehen und die Hose hochkrempeln, um ins Haus zu kommen.“ Bis zu den Knien reichte das eiskalte Wasser da noch.

Dafür hat er als einer der wenigen im direkten Umkreis jetzt nicht mit vollgelaufenen Kellern zu tun. Denn vorsorgehalber hat er das Erdgeschoss seines Hauses 50 Zentimeter über der Erdoberfläche und ganz ohne Keller gebaut. Das hatte ihm sein Vater geraten, der das große Hochwasser in Röhrenfurth 1945 miterlebt hatte – damals als die Brücke gesprengt wurde.

Arbeit fällt ins Wasser

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Ebenerdig sind auch die meisten Kellerräume seines Sohnes Peter Schneider, der mit seiner Frau Isabel einen Katzensprung entfernt im Haus Unterdorf 10 wohnt. Dort kehrt Isabel Schneider gerade mit kräftigen Schüben die letzten Wasserreste aus der Hofeinfahrt auf die noch überflutete Straße. „Das Reinigen muss schnell gehen, damit der Schlamm gar nicht erst fest wird“, sagt sie.

Vom Garten ist nichts mehr zu sehen: Holger Bischoff blickt auf die ausufernde Fulda.

Eine Pumpe leitet über einen gelben Schlauch kontinuierlich Wasser aus dem Kellerraum. Bis zu 80 Zentimeter tief stand das Wasser dort gestern noch. Mittlerweile ist der Pegel auf die Hälfte gesunken. Zur Arbeit geht der Chef des Sägewerks Peter Schneider heute nicht: Das Sägewerk steht ebenfalls halb unter Wasser. Trotzdem haben die Schneiders keine schlechte Laune. „Wir sind Hochwasser gewohnt und stellen uns darauf ein“, sagt er. Wertvolles werde stets rechtzeitig in Sicherheit gebracht.

„Außerdem müssen wir da endlich mal wieder alle Ecken sauber machen“, scherzt Nachbar Axel Schneider, der inzwischen zum Plaudern rübergekommen ist. „

„Schade, dass das Wasser nicht warm ist“, nimmt auch Ulrike Linne die Wassermassen mit Humor. „Dann könnte ich direkt von der Treppe aus los schwimmen“, sagt die Melsungerin beim Blick vom Balkon an der Vorstadt auf die Fulda. Im Hauseingang steht alles, was die 61-Jährige noch aus dem Keller in Sicherheit bringen konnte: Fahrräder, Kisten, Stühle und Tische.

Kann sein Haus nur mit Gummistiefeln erreichen: Karl-Heinz Schneider in Röhrenfurth.

„Mir graut es schon vor dem Anblick, wenn das Wasser weiter zurückgeht.“ Von einigen Porzellan- und Legoteilen werde sie sich dann wohl verabschieden müssen. Bis es soweit ist, beobachtet sie das ungewöhnliche Treiben auf der ausufernden Fulda. Da schwimmen Schwäne in ihrem Garten, aber auch Mülltonnen.

Ein Haus weiter plätschert das dreckige Wasser über einige alte Fahrradreifen und -schläuche, die zum Fahrradladen der Familie Bischoff gehören. „Auch, wenn es heftig aussieht, sind wir froh, dass das Hochwasser nicht das Ausmaß von 1995 erreicht hat“, sagt Holger Bischoff, dem vier der Häuser an der Vorstadt gehören. Nun müsse man erstmal nur warten – bis der Pegel weiter sinkt und mit der großen Endreinigung begonnen werden kann.

Quelle: HNA

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