Freilegung eines Taufbeckens in der Stadtkirche ist eine archäologische Sensation

Aufsehenerregend: Pfarrer Hans-Jürgen Basteck in der Wolfhager Stadtkirche an der Stelle, wo ein altes Taufbecken entdeckt wurde, rechts das Stützpfeilerfundament einer Vorgängerkirche mit einer Grabstätte daneben. Fotos: zih

Wolfhagen. Die Geschichte der 1231 erstmals urkundlich erwähnten Stadt Wolfhagen muss vielleicht doch noch umgeschrieben werden. Denn bei den Sanierungsarbeiten der Stadtkirche wurde jetzt etwa 50 Zentimeter unter dem Fußboden ein historisches Taufbecken gefunden.

Es handelt sich um ein Baptisterium mit einer gut erhaltenen Sandsteineinfassung. Das Becken ist 60 Zentimeter tief und hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern. Um die Vertiefung befindet sich ein achteckig angelegter weiterer Sandsteinkranz. In frühchristlicher Zeit waren die Taufbecken acht- oder zwölfeckig eingefasst. Die Zwölf symbolisierte die Zahl der Jünger von Jesus, die Acht stand für Neuanfang und Auferstehung sowie für das Unendliche.

Das Taufbecken ist jedoch nicht das einzige Zeichen dafür, dass an dem Ort der jetzigen Stadtkirche ein anderes Gotteshaus gestanden haben muss. Das erklärte der Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Das vorherige Gebäude scheint in entgegengesetzter Richtung aufgebaut gewesen zu sein.

Fundament für Stützpfeiler

Denn das Taufbecken befindet sich im Bereich des jetzigen Eingangs zum Hallenkirchenschiff. Bei den Sanierungsarbeiten ist auch ein Fundament vor dem heutigen Altarraum an der Innenmauer Richtung Alte Wache ausgegraben worden, das vermutlich für einen hölzernen Stützpfeiler gebaut war. Direkt dahinter, im Außenbereich der Vorgängerkirche, taucht eine Vertiefung auf, die eine Grabstätte sein könnte.

In christlichen Kirchen ist das Taufbecken meist in der Nähe des Altars, in Blickrichtung der Gottesdienstbesucher. Die Wolfhager Stadtkirche, deren Altar sowie der Totenhof wurden 1235 von Bischof Bernhard von Paderborn geweiht. Sie war damals eine Filialkirche der Erzpriesterkirche auf dem Schützeberg mit Taufrecht. Wenn vor dem Bau der jetzigen Kirche im Jahr der Stadtgründung 1231 dort bereits eine Kapelle oder Kirche gestanden hat, muss diese ebenfalls über das Taufrecht verfügt haben.

Mit einer wissenschaftlichen Radiocarbonuntersuchung soll nun das exakte Entstehungsdatum des Taufbeckens und des Stützpfeilerfundaments festgestellt werden. Eventuell, so Pfarrer Hans-Jürgen Basteck, soll das archäologische Taufbecken mit einer begehbaren Glasplatte abgedeckt werden. (zih)

Quelle: HNA

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