Katastrophe ums Erbe - Es ging um über 250.000 Euro

Funktion als Testamentsvollstrecker missbraucht: 63-Jähriger vor Gericht

Treysa. Er sollte seine Funktion als Testamentsvollstrecker missbraucht haben, deshalb musste ein 63-Jähriger Rentner aus dem Altkreis Ziegenhain vors Schöffengericht Schwalmstadt.

Verhandelt wurde ein Fall, in dem es um sehr viel Geld und ein Haus ging.Weil er 2015 seine Funktion als Testamentsvollstrecker missbraucht haben soll, musste sich ein 63-jähriger Rentner aus dem Altkreis Ziegenhain vor dem Schöffengericht in Schwalmstadt verantworten.

Der Angeklagte war als Testamentsvollstrecker eingesetzt worden, um das Erbe seiner drei Kinder – zwei Söhne, eine Tochter – zu verwalten. Laut Gericht handelte es sich um einen Betrag von 257 000 Euro. Unter anderem wurde von diesem Geld ein Haus gekauft.

Der damals minderjährige jüngste Sohn hatte kein Interesse an dem Gebäude und verkaufte seinen Anteil für 30 000 Euro an einen 40-jährigen Stiefbruder. Dieser überwies laut Anklage das Geld in gutem Glauben auf ein Konto. Da eine vereinbarte Grundbucheintragung nicht erfolgte, erstattete der 40-Jährige Anzeige: „Ich möchte kein Miteigentümer mehr werden, sondern mein Geld zurück“, so der Mann.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten Untreue in vierzehn Fällen vor. Der 63-Jährige habe alleinigen Zugriff auf das Konto mit den 30 000 Euro gehabt und das Geld für sich genutzt, erklärte der Jurist: „Es war eine Einnahmequelle von gewissem Umfang und Dauerhaftigkeit.“

In einer vom Verteidiger verlesenen Einlassung bestätigte der Mann die ihm zur Last gelegten Abbuchungen, legte aber Wert darauf, dass alles mit Wissen des jüngsten Sohns erfolgt sei. „Ich kann nicht ansatzweise eine Untreue nachvollziehen“, meinte der Anwalt.

Wirklich zerstritten schien die Familie nicht zu sein. Sowohl der geschädigte Stiefsohn des Rentners wie auch die leiblichen Kinder gaben als Zeugen bereitwillig Auskunft. Ihr Vater sei kein schlechter Mensch, versicherte die 24-jährige Tochter: „Man müsste sich einfach mal an einen Tisch setzen. Das ist keine Sache, die vor Gericht gehört.“

Im Rahmen der Beweisaufnahme versuchte das Gericht, auch den Verbleib des gesamten Geldes nachzuvollziehen. Unter anderem hatte der Angeklagte drei Kilo Gold gekauft. Die Kinder waren offensichtlich mit regelmäßigen Zuwendungen aus dem Erbe zufrieden gewesen. Sie habe sich nie beklagen können, erklärte die Tochter.

Überraschenderweise wurde das Verfahren nach zweieinhalb Stunden wegen eines Verfahrenshindernisses eingestellt. Aufgrund des engen Verwandtschaftsverhältnisses aller Beteiligten hätte man Strafantrag stellen müssen, dieser fehle aber, so der Staatsanwalt.

Es handele sich um keinen Freispruch, sondern um eine formale Einstellung wegen eines fehlenden Antrags, verdeutlichte der Richter in der Urteilsbegründung dem 63-Jährigen.

Das Verhalten seines Mandanten sei zivilrechtlich zwar eine Katastrophe, aber nicht strafbar, hatte dagegen der Verteidiger in seinem Plädoyer betont.

Quelle: HNA

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