Wie er Gaddafi täuschte: Karl-Eike Oppermann war Bauleiter in Libyen

Borken. Karl-Eike Oppermann (67) verfolgt gebannt und entsetzt die Nachrichtensendungen über die Aufstände in Libyen. Besonders genau schaut der Bauleiter aus Großenenglis hin, wenn es um die Stadt Ras Lanuf geht.

In den 1980er-Jahren war er dort viele Monate beruflich tätig und wurde Opfer einer Explosion. „Ich kenne jede Straße, jede Ecke und viele der Häuser“, sagt er. Anfang der 80er entwarf eine finnische Firma die Stadt am Reißbrett. Zusammen mit tausenden Arbeitern und Ingenieuren aus der Türkei, Libyen, Pakistan, Deutschland und anderen Ländern baute Oppermann die Stadt mit auf, wurde Zeuge von Luftangriffen, überlebte eine Gas-Explosion und knüpfte Freundschaften.

„Es tut mir weh, zu sehen, wie die Menschen dort leiden und die Stadt zerstört wird“, sagt der 67-Jährige, der immer noch in seinem Beruf arbeitet und viel im Ausland unterwegs ist. Die Libyer, die er kennen gelernt hat, seien sehr gastfreundlich und herzlich gewesen. „Nach so vielen Jahren der Unterdrückung unter Muammar al-Gaddafi haben sie sich die Freiheit verdient.“

Den Machthaber hat er 1984 gesehen, aus nächster Nähe, berichtet Oppermann. „Zur Einweihung einer Gasanlage haben wir Gaddafi etwas vorgespielt.“ In der Stadt, die für Arbeiter und Ingenieure der Gas- und Öl-Förderung gebaut worden war, sollte damals, im Jahr 1984, eine große Erdgasstation den Betrieb aufnehmen. „Wir waren aber noch gar nicht fertig“, sagt Oppermann. Gemeinsam mit anderen Bautrupps habe man einen Tank verbuddelt, provisorische Leitungen gelegt und aus Benghasi Gas mit einem Tankzug geholt, damit für Gaddafi die Flamme in der Stadt entzündet werden konnte. Das Oppermann zu diesem Zeitpunkt in Ras Lanuf war, kam ohnehin einem Wunder gleich.

Wegen eines technischen Defekts an einer Gasanlage, explodierte diese. Oppermann war ganz in der Nähe, kam mit schweren Verbrennungen in Krankenhäuser in Libyen, der Schweiz und Deutschland. Nur wenige Monate später war er aber schon wieder in Ras Lanuf. Die Anlage musste schließlich neu aufgebaut werden. „Solche Ereignisse prägen.“ Ein Grund mehr, warum er in Gedanken bei den Menschen in Libyen ist. „Zu gerne würde ich nochmal ein friedliches Libyen besuchen“, sagt er.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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