400 Gäste bei Melsunger Neujahrsempfang

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Großer Andrang: Die Melsunger Stadthalle war für 400 Gäste bestuhlt und die meisten waren besetzt. Für die musikalische Unterhaltung sorgten Ruth Eckhardt mit den Blechbarten und den Jungbläsern.

Melsungen. Beim Melsunger Neujahrsempfang gilt sicher auch, sehen und gesehen werden. Er gehört aber ebenfalls zu den sehr launigen und kurzweiligen Vertretern seiner Zunft.

Im Unterhaltungsteil rechnete Bernd Köhler alias Justus Riemenschneider mit dem „Trampel aus dem Twitter-Tower“ ab: „Der ist ein Großmaul und feige. Der Brexitin Theresa May hat er sich nur getraut, an die Hand zu fassen.“ Und auch B. Braun bekam einen mit: „Die einzige Kohle, die in Melsungen verheizt wird, ist die Braunkohle.“ Damit bezog er sich auf die Spende zum Umbau der Gesamtschule.

Indirekt war die Schulsanierung auch themenstiftend: Der Hauptvortrag des Neujahrsempfangs firmierte unter dem Motto: „Zwischen Fack ju Göthe und Quantenphysik - aktuelle Herausforderungen für Erziehung und Schule“.

Eigentlich sollten Gesamtschulleiter Dr. Matthias Bohn und Karin Muche, Schulleiterin der Grundschule Am Schloth, diesen bestreiten - Muche war aber persönlich verhindert. Aus dem geplanten Dialog wurde dann ein, so Bohn, Lehrervortrag. Unterhaltsam wurde es dennoch: Bohn stellte die fünf Pädagogentypen vor, die maßgeblich an der Erziehung von Kindern beteiligt sind: die Lehrer, die Mitschüler, die Schulgebäude, die Bildungspolitik und „last but not least“ die Eltern.

Neujahrsempfang in Melsungen: Trump, Goethe und viele Gäste

Auch ein Teil der etwa 400 Gäste wurde zu verschiedenen Themen gehört. Bohn hatte Karten mit sonderbar aussehenden Formen darauf verteilen lassen. Diese entpuppten sich als Stimmkarten, die per Handy-App ausgezählt werden konnten. So fragte er beispielsweise ab, wie viele Besucher in ihrer Schulzeit mit Mobbing konfrontiert wurden oder gar selbst gemobbt haben. Das waren immerhin zehn Prozent.

Beim Thema Inklusion gab er den Politikern - anwesend waren unter anderem Dr. Edgar Franke, SPD-Bundestagsabgeordneter, Bernd Siebert, CDU-Bundestagsabgeordneter und auch Landrat Winfried Becker - mit auf den Weg, die derzeit praktizierte Form der Inklusion nicht zu generalisieren. Denn sowohl die Mehrheit des Publikums als auch die Lehrerschaft halten das derzeitige Modell bestenfalls für Ausnahmefälle geeignet.

Bürgermeister Markus Boucsein mahnte, sich in der scheinbar schneller drehenden Welt nicht von Neiddebatten, Populisten und fehlendem Respekt anstecken zu lassen. Er erinnerte daher auch an die hunderten Ehrenamtlichen, die in Melsungen immer noch - es sei aber stiller geworden - einen herausragenden Job machen. Insbesondere auch bei den Integrationsbemühungen der 220 Flüchtlingen, die derzeit in Melsungen leben.

Quelle: HNA

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