Gäste mit Schuhcreme im Gesicht

Wie alles begann: Sei 50 Jahren pflegt die Feuerwehr Obergrenzebach die Freundschaft mit der Brandweer Poperinge. Das wird am Pfingstwochenende kräftig gefeiert werden. Unser Foto zeigt den ersten Besuch der Poperinger in Obergrenzebach. Fotos: Rose/privat/nh

Obergrenzebach. Feuerwehr Obergrenzebach feiert 50 Jahre Freundschaft zu Brandbekämpfern im belgischen Poperinge.

50 Jahre ist es her, dass der Obergrenzebacher Gustav Gall die ersten Kontakte nach Poperinge in Belgien knüpfte: 20 Jahre nach Kriegsende wollte er damals den Ort besuchen, in dem er im Zweiten Weltkrieg stationiert war. Dabei war die Fahrt 1965 seitens seiner Frau Anna Gela mit Bedenken verbunden. Sie rechnete mit Feindseligkeit gegenüber deutschen Besuchern. Doch Gustav Gall überzeugte sie. „Die Sprache hört sich ähnlich an wie Schwälmer Platt“, erklärte er ihr. Ob er damit so ganz recht behielt, ist nicht überliefert.

An der Hotelbar des Palasthotels war Feuerwehrmann Gall damals mit Carl Duponselle ins Gespräch gekommen. Beide planten, sich mit ihren Wehren bald zu besuchen. Ein kühner Plan? Nicht für die beiden Männer, die das Vorhaben nur ein Jahr später umsetzten: Die Obergrenzebacher fuhren zum Hopfenfest nach Poperinge.

Dort wurden die Schwälmer zu ihrer Überraschung in einer Jugendherberge untergebracht. Frauen und Männer in getrennten Schlafsälen. Das reizte den einen oder anderen Gast zu Schabernack. Am Morgen wachten etliche Obergrenzebacher mit schwarzer Schuhcreme im Gesicht auf.

Feste Freundschaften

In 1967 empfing man in der Schwalm die Belgier und brachte sie in Familien unter. Dieser Tradition folgen die Brandbekämpfer bis heute. Zu Recht stolz sind der Vorsitzende Markus Mühling, Wehrführer Dieter Hofmann und sein Stellvertreter Christian Nill auf das feste Band der Freundschaft.

„Es sind echte Freundschaften entstanden, die seit Jahrzehnten bestehen. Wir haben Einblicke in die jeweils andere Kultur und teilen mittlerweile Freud und Leid“, sagen die Feuerwehrleute.

So sei der Lebensstil der Belgier bescheidener: „Die bauen nicht wie hier so riesige Paläste, sondern niedliche kleine Häuser“, erzählt Hofmann. Dafür werde mehr Wert auf das Essen und auf Gastfreundschaft gelegt.

Kümmerlinge verbuddeln

Kulturell biete man den Gästen immer etwas besonderes, plane Ausflüge in Museen oder Städte. Fest auf dem Besuchsplan steht die Barbara-Feier in Poperinge. „Wenn wir kommen, vergraben wir auf einem Parkplatz stets die mitgebrachten Kümmerlinge, die im kommenden Jahr wieder ausgebuddelt werden müssen“, erzählt Nill.

Ähnelten der Polizei

Auch ansonsten sei man bei den Besuchen für jeden Spaß zu haben. In einem Freizeitpark in Belgien wunderten sich die Obergrenzebacher Feuerwehrkameraden einst, dass sie bei den Fahrgeschäften nicht anstehen mussten und durchgewunken wurden: „Irgendwann war uns klar, dass unsere Uniform aussieht wie die der belgischen Polizei“, erzählen die Schwälmer. Bei den Gegenbesuchen wurde nicht nur in Verkleidung Fußball gespielt, bei Wettkämpfen stellten die Obergrenzebacher und die Poperinger auch ihr Feuerwehrwissen unter Beweis.

Bis heute ist die Freundschaft vor allem von viel Herzlichkeit geprägt: „Die Menschen fallen sich beim Wiedersehen in die Arme. Einen schöneren Beweis gibt es doch nicht“, sagt Dieter Hofmann.

Das Programm

• Freitag, 22. Mai: 19 Uhr Ausstellung „50 Jahre Freundschaft“, 20.30 Uhr Begrüßung der Gäste und Tanz mit den „Leimsfelder Dorfmusikanten“, Festplatz, freier Eintritt

•Samstag, 23. Mai: 19 Uhr Festkommers, 21 Uhr Auftritt der Showband „Wendys Band“

• Sonntag, 24. Mai : 10.15 Uhr Besuch des Gottesdienstes in der Kirche Obergrenzebach

• Montag, der 25. Mai: 10 Uhr Verabschiedung der Freunde aus Poperinge

ab 13.30 Uhr Serenade im Festzelt: Musikalischer Nachmittag in Obergrenzebach mit 13 Musikgruppen aus der gesamten Gemeinde. Für Kaffee, Kuchen und Würstchen sorgt der Frauensingkreis Obergrenzebach

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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