Millionenschwärme von Bergfinken übernachten gemeinsam im Fichtenwald

Gäste aus der Taiga

Gast hin Hessen: Klein und bunt und derzeit mit einigen Millionen der häufigste Vogel in Hessen - der Bergfink. Foto: privat

Schwalm. Im westhessischen Haiger versammeln sich derzeit allabendlich bis zu drei Millionen kleiner Vögel in riesigen Wolken, um gemeinsam in einem Fichtenwald zu übernachten. Es ist die größte Vogelansammlung, die in Hessen je beobachtet wurde.

Dementsprechend hat kaum ein anderes Ereignis in den letzten Wintern unter den Naturkundlern ein so großes Interesse gefunden. Auch in den Wäldern im Schwalm-Eder-Kreis wurden Schwärme beobachtet, maximal bis zu 100 000 Bergfinken im Riedforst im Raum Melsungen. Vermehrt gibt es auch kleine Trupps an Vogelfutterstellen in den Ortslagen der Schwalm.

Wovon leben die Vogelmassen, woher kommen sie und warum treffen sie in solchen unglaublichen Zahlen zusammen? Bergfinken sind weit verbreitete Brutvögel der Taiga in Skandinavien und Sibirien. Sie brüten dort in Nadelwäldern, Erlen- und Birkengehölzen. Allein in Schweden werden zwei Millionen, in Finnland sogar drei Millionen Paare angenommen.

Zum Überwintern ziehen die Bergfinken nach Mittel- und Südeuropa, weil sie hier ihr Lieblingsfutter finden. Hauptsächliche Winternahrung sind Bucheckern, die in diesem Winter in Hessen infolge einer Buchenmast in großer Zahl zu finden sind. Im Zusammenspiel mit dem überwiegend milden Winter bieten sich den Vögeln hervorragende Überwinterungsmöglichkeiten in unserem Raum.

Windgeschütze Schlafplätze

Die Gründe für das Zusammentreffen an solchen Massenschlafplätzen sind dieselben wie bei anderen großen Vogelansammlungen: Viel und leicht erreichbare Nahrung, Schutz in der großen Gruppe gegenüber Feinden und das leichtere Auffinden guter Futterplätze durch unerfahrene Vögel, indem sie erfahrenen Tieren folgen. Messungen in Österreich haben noch einen anderen Vorteil gezeigt: Durch die große Zahl erhöht sich die Temperatur an den windgeschützten Schlafplätzen um 0,68 Grad. Die Vögel heizen ihren Schlafwald gewissermaßen selbst. Gerade in den kalten Nächten in den Mittelgebirgen verspricht das deutliche Überlebensvorteile.

Trotz der Riesenansammlungen muss sich niemand um die Vermehrung der Rotbuchen sorgen. Schon die Samen von knapp zehn Hektar Buchenwald liefern unter günstigen Bedingungen mehr als 10 000 Kilogramm Bucheckern, die rechnerisch 500 000 Bergfinken gut vier Wochen ernähren können. Da die Vögel bis zu 30 Kilometer ins Umland ausschwärmen, können sie nur kleine Teile der Mast aufnehmen.

Die Schwärme aus der Entfernung sind unvergleichlich eindrucksvoll, aber auch aus der Nähe betrachtet sind die sperlingsgroßen Bergfinken ausgesprochen hübsch gezeichnet.

Leuchtend weißer Bürzel

Besonders auffällig ist die orange gefärbte Brustregion im Kontrast zum schneeweißen Bauch, die bräunlichschwarze Oberseite und im Flug der leuchtend weiße Bürzel.

Möglicherweise gibt es auch im Schwalm-Eder-Kreis Schlafplätze, die den Vogelkundlern bislang entgangen sind. Wir freuen uns daher um Hinweise zu Schwärmen von Kleinvögeln im Wald.

Kontakt: stefan.stübing@gmx.de, Tel.  06 691/33 09.

Von Stefan Stübing und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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