Aus Grabsteinen werden Spieltische

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Per Fingerschnipp: Michael Neidnicht mit Spielsteinen an einem Tisch, der früher einmal eine Grabplatte war.

Borken. Jahrmillionen lagen die Steine irgendwo im Berg, bevor sie bearbeitet und genutzt wurden. Nach 30 Jahren als Grabstein werden sie abgeräumt, und Michael Neidnicht sieht überhaupt nicht ein, dass sie dann einfach weggeworfen werden.

Der Steinmetz und Steinbildhauer aus Borken hat deswegen eine neue Verwendung für Grabsteine und -platten gefunden. Er baut aus dem hochwertigen Material Spieltische. „Ich halte den Stein in Ehren“, sagt der 53-Jährige.

Zeit für Ideen

Gerade in den Wintermonaten habe er mit Grabmalen, – sonst seine Hauptarbeit – weniger zu tun. Dann bleibt Zeit für ungewöhnliche Ideen.

In der Werkstatt in Borken sind so schon Topfdeckel und Teller aus Stein entstanden, aber auch Leuchten aus dem Gestein Onyx und eine besondere Form, die Neidnicht Quadrund getauft hat, weil sie teils quadratisch, teils rund ist.

Kurzclip

Und es bleibt Zeit für die Spielereien. Michael Neidnicht hat ein Carrom-Spiel gebaut, das auch Fingerbillard genannt wird. Dabei werden Holzscheiben über eine quadratische Spielfläche geschnippt. Der Steinkünstler hat das Spielprinzip weiterentwickelt. So stehen in seiner Werkstatt nun auch eine Poolbillard und eine Karambolage-Billard-Tischvariante. Da sie ebenfalls mit Holzscheiben gespielt werden, hat Neidnicht ihnen neue Namen gegeben: Carrom-Bolage und Carrom-Pool.

Die Spieltische aus Stein hätten viele Vorteile, sagt der Borkener. Granit, Marmor und Basalt seien sehr beständig, sodass man auch im Freien spielen könne. Der Verschleiß sei zudem sehr gering.

Die Scheiben sausen schnell und sauber über den Tisch, wenn Neidnicht sie mit dem Finger anschnippt. Bis man den Bogen raushat, dauert es einige Zeit, weiß Neidnicht. „Ich spiele schon ein halbes Jahr und bin immer noch nicht gut“, erzählt er.

Ab 1200 Euro

Fast jeden Abend kämen Freunde und Bekannte zu Besuch in die Werkstatt, um gemeinsam an den Tischen zu spielen. Wer einen davon kaufen will, muss 1200 bis 2000 Euro investieren. Je nach Material und Verarbeitung ginge es jedoch auch günstiger.

In der Woche vom 23. bis 29. Januar öffnet Neidnicht jeden Tag von 14 bis 20 Uhr seine Werkstatt, damit man die Spiele besichtigen kann.

• Kontakt: Tel. 05682/1015, Pfaffenhäuser Straße 8, Borken.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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