10. Hospitalkonzert: Besucher ließen sich von Musik des 20. Jahrhunderts ergreifen

Mit der ganzen Seele Russlands

Interpretierten die Moderne: Alexander und Viktor Urvalov (links) und das Projektensemble unter der Leitung von Stefan Reitz (zweiter von rechts). Foto: Rose

Treysa. Die Treysaer Hospitalkapelle verwandelte sich am Samstagabend in eine schillernde Zirkuskuppel. Viel Fantasie war dazu nicht nötig: 90 Besucher gingen beim zehnten Hospitalkonzert auf zauberhafte Klangreise. Die Konzertreihe „Neues in alten Räumen“ präsentierte diesmal die Pianisten Alexander und Viktor Urvalov. Am Klavier, zwei- und vierhändig, interpretierten Vater und Sohn russische Musik des 20. Jahrhunderts.

Die Eröffnung, gestaltet von einem Projektensemble Schwälmer Nachwuchskünstler, nahm die Zuhörer mit in die fröhliche, gleichwohl ein wenig mystische Welt des Zirkus: Die Jazz-Suite Nr. 2 von Dimitri Schostakowitsch hatte Stefan Reitz eigens für das Ensemble umgeschrieben. Originell, ein wenig verwegen und geheimnisvoll, breitete sich das Volumen der Instrumente über den Zuhörern aus.

Ebenso wirkungsvoll wie feurig war der Auftakt. Temperamentvoll und kess interpretierten die Musiker den „Säbeltanz“, Markus Euler entlockte seine Klarinette den quirligen „Hummelflug“. Gemächlicher schlich sich die Katze aus „Peter und der Wolf“ ins Gewölbe.

Dem europäischen Westen weitestgehend unbekannt ist Russlands klassische Moderne: Die Werke russischer Komponisten des 20. Jahrhunderts blieben der Öffentlichkeit bis in die 1980er-Jahre – bis Glasnost und Perestroika – verborgen. „Sie werden in Prokofievs Sonate Lyrik, Dramatik und Epos, manchmal übertriebene Emotionalität und sanfte Ironie entdecken“, versprach Viktor Urvalov vor seinen Soli. Mal sarkastisch, mal wild überstürmend, aber stets klar und spielerisch exakt, präsentierte der junge Pianist Rodion Shcedrins polyphone Werke, die an den Stil Bela Bartoks erinnerten.

Die Seele Russland trugen Alexander und Viktor Urvalov mit Werken von Strawinsky, Tschaikowsky und Gawrilin in die Schwalm. Die Spielweise passten die Pianisten mit viel Fingerspitzengefühl und mimischem Ausdruck den Kompositionen an: humorvoll und leicht.

Den Schlusspunkt setzte Alexander Urvalov mit einem Solo, Schostakowitschs Sonate Nr. 2 aus dem Jahr 1943. Die tiefgründige, komplexe und spielerisch anspruchsvolle Tonsprache kam beim Publikum hervorragend an. Aufmerksam lauschten die Gäste, spendeten spontanen Applaus und bewahrten sich eines bis zum finalen Akkord: die Neugier auf Neues.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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