Himmelfahrtsmarkt in Frielendorf

Händler-Urgestein Willi Bender verkauft seit 60 Jahren Kurzwaren

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Stoffe, Stoffe, Stoffe: Seit 60 Jahren ist Willi Bender mit seinem Schausteller-Lkw unterwegs. Zum Himmelfahrtsmarkt nach Frielendorf kommt er jedes Jahr gern: „ Es ist nett hier. Und bei zwei Markttagen können die Kunden noch ihre Fenstermaße holen gehen.“ 

Frielendorf. „Hallo Willi“, ruft eine Passantin und lächelt. Keine Frage: Willi Bender kennen hier fast alle. Seine Kurzwaren haben auf dem Himmelfahrtsmarkt schon lange Tradition.

Der 18-Tonner von Gardinen-Bender ist auch kaum zu übersehen - quer zur Marktmeile gestellt, markiert er gegenüber dem Rathaus Anfang und Ende der Flaniermeile.

Seit „20, 30 Jahren“ kommt der Rheinländer zum Himmelfahrtsmarkt nach Frielendorf, noch länger schon zum Scherzmarkt in Treysa. „Da war ich mit meinem Vater 1949 zum ersten Mal“, sagt der 79-Jährige. Willi Bender ist seit 60 Jahren „auf der Reise“, wie er sagt, ein Weltenbummler aus Beruf und Berufung.

Willi Bender ist Gardinenhändler in der zweiten Generation. Am 1. August 1958 hat er seinen mobilen Kurzwaren-Handel angemeldet, betreibt neben dem Markthandel noch zwei Geschäfte in seiner Heimatstadt Velbert („da, wo alle Türschlösser herkommen“), und in Leipzig.

Die Geschäfte wird sein Sohn Clemens auch weiter führen, wenn Willi seinen Lkw irgendwann nicht mehr startet. Doch mit dem Schaustellerleben wird bald Schluss sein, den 18-Tonner will er abgeben und nur noch mit einem kleinen Transporter auf die Märkte ziehen, wenn überhaupt. „Ich gehe auf die 80 zu, da muss man mal kürzertreten und selbst ein bisschen Sauerstoff schnappen“, sagt Willi.

In ganz Deutschland unterwegs

Zeiten gab es, da hatte er 70 Leute angestellt und drei Lkw gleichzeitig im gesamten Bundesgebiet auf Tour. „Ich habe tonnenweise Restposten und Meterware verkauft“, erinnert er sich. „Doch die Zeiten sind vorbei, weil niemand mehr näht“, sagt er. „Die jungen Leute wollen keine Gardinen mehr vorm Fenster, es gibt keine Omas mehr, die Gardinen nähen, und auch die Wohnkultur hat sich geändert.“ Heute wollten die Leute alles fertig haben, weshalb Kurz- oder Bistrogardinen oder Ösenschals, die man nur noch aufzuhängen braucht, am besten laufen.

Trotzdem kommt er immer noch gern zum Himmelfahrtsmarkt. „Zwei- oder Mehrtagesmärkte sind mir lieber als nur einen Tag, denn dann können die Kunden noch zu Hause messen.“ Denn kaum jemand komme mit den genauen Fenstermaßen an seinen Stand, „doch ohne die Maße kann ich keine Gardine verkaufen“.

Früher hat er viel in der DDR eingekauft. „Plauener Spitze und Ado mit der Goldkante waren die zwei guten Namen, die es in Deutschland gab.“ Heutzutage kauft er seine Ware auf Messen zu, ist auch schon manche Jahre bis Istanbul dafür gefahren. Überhaupt ist Willi Bender mit seinem Lkw viel unterwegs: Sonntag war er auf dem Trödelmarkt bei der Metro in Kassel, Montag in Wetzlar, Dienstag in Lingen an der Ems und seit gestern steht er mit seinem Schaustellewagen in Frielendorf. „Das war eine furchtbare Rolle hier runter“, sagt Willi.

Ab Freitag ist erstmal Ruhe – ungewollt, der 18-Tonner muss in die Werkstatt. „Deshalb habe ich heute auch schlechte Laune“, sagt Willi Bender. Doch die hält nicht lange an, jedenfalls weiß Willi, wie er schnell wieder ein Lächeln aufsetzt – Freundlichkeit gegenüber den Kunden ist für den Handelsreisenden das A und O.

Quelle: HNA

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