Gas-Explosion in der Fahrerkabine: Lkw-Fahrer wollte Kontakt zur Tochter erzwingen

Fritzlar. Ohne Laster gibt’s von allem zu wenig. Oft lesen wir so einen Spruch beim Versuch, einen Truck zu überholen. Vor dem Amtsgericht Fritzlar steht ein Vierzigjähriger, der eine Sattelzugmaschine steuerte. „Da habe ich einen Scheiß gebaut“, gibt er gleich am Anfang zu. Zerknirscht schildert er, was vor fast einem Jahr zu dem Ereignis auf dem Rastplatz Hasselberg führte, über das die Justiz entscheiden muss.

Der Angeklagte fuhr die ganze Woche lang hin und her zwischen Dresden, Stuttgart und Köln. Die familiäre Situation schien aussichtslos. Ein Zeuge bestätigte die traurigen Eheverhältnisse vieler Berufskraftfahrer. Beim Angeklagten hatte das zur Trennung von der Frau geführt. Der Kampf um den Zugang zur siebenjährigen Tochter zerrte an den Nerven.

Als Profi erkannte er, dass eine Pause notwendig sei. Auf dem Rastplatz holte er die Gasflasche, mit der ein hinten aufgebockter Gabelstapler betrieben wurde. Er stellte sie auf den Fahrersitz. Er sandte einem Freund einen Abschiedsgruß. Auch die Oma las eine SMS: Bitte lass mich tot sein! Dann drehte er den Gashahn auf. Mit dem Handy nahm er auf, wie das Gas weiß herauszischte. Nach zehn Sekunden drehte er die Flasche wieder zu. Das Foto ging an die Ehefrau. Er wollte mit der Tochter telefonieren.

Richterin Corinna Eichler fragt: „Sie meinen, eine Mutter würde so den Kontakt zum Kind zulassen?“ Der Mann schüttelt den Kopf. Laut seiner Aussage wollte er nach einiger Zeit eine Zigarette zur Beruhigung rauchen. Es knallte. In Unterhosen stand er draußen. Verbrennungen zweiten Grades an Armen und Beinen, im Gesicht. Zeugen berichteten, wie im Umkreis von 50 Metern alles mit Trümmern und Glassplittern übersäht war. Weitere Verletzte gab es nicht.

Hatte der Angeklagte die Explosion absichtlich herbeigeführt? Der Sachverständige erläutert, wie sich das Gas, schwerer als Luft, lange Zeit am Boden der Fahrerkabine halten kann. Der Zündfunke hätte vom Feuerzeug kommen können, aber auch von der Zündung des Lkw. Zur Klärung ist ein weiteres Gutachten erforderlich. Die Verhandlung wird vertagt.

Eine Zeugin hatte sich um den Fahrer nach der Explosion gekümmert. Sie lächelt den Angeklagten an und meint: „Ich habe erst heute erfahren, dass Sie überlebt haben. Ich bin so froh!“ (me)

Quelle: HNA

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