33. Künstlerstipendium: Julia Charlotte Richter arbeitet an einer Videoinstallation

Gast mit besonderem Blick

Werk ist Anfang Dezember fertig: Stipendiatin Julia Charlotte Richter am Laptop. Foto: Rose

Willingshausen. Julia Charlotte Richter (29) ist die 33. Künstlerstipendiatin in Willingshausen: In den kommenden drei Monaten wird die junge Frau im Malerdorf leben und arbeiten. Anfang Dezember sind ihre Werke dann in einer Ausstellung in der Kunsthalle zu sehen. Vor zwei Wochen ist die gebürtige Gießenerin ins Hirtenhaus in der Ortsmitte eingezogen.

Ihre erste Schritte im Haus erinnern die Künstlerin an ihre Kindheit: „Es ist für mich nicht neu, in einem Fachwerkhaus zu wohnen – ich bin in einem aufgewachsen“, erzählt die 29-Jährige. Erst kürzlich zog Julia Charlotte Richter nach Berlin: „Dagegen ist dann dann hier schon ein starker Kontrast.“

Doch sie gewöhnt sich schnell: Daran, dass sie nur per Rad von A nach B kommt. An das Sammeltaxi – „davon hatte ich vorher noch nie gehört“ – und daran, dass es in Willingshausen keinen Geldautomaten gibt. Dafür genieße sie die Ruhe, die Möglichkeit, mitten am Tag zwischen Feldern und Wiesen lesen zu können, die Annehmlichkeit des Stipendiums, finanziell versorgt zu sein.

Für ihre Ausstellung arbeitet die 29-Jährige an einer Videoinstallation. Erste Kontakte zum Männerchor Willingshausen und Schülern und Lehrern der Melanchthon-Schule hat sie bereits geknüpft. In der Gesangsstunde stellte sie den Herren ihr Projekt vor. „Für das Video wird der Chor ein bestimmtes Lied einstudieren“, erklärt Richter. In ihrer Arbeit beschäftigt sich die Künstlerin mit dem Thema des Erwachsenwerdens.

Bilder aus der Literatur

Dabei stellt sie Schülern die Frage, wie sie sich die Zukunft vorstellen: „Mir geht es darum, wie man eine Generation charakterisieren kann“, sagt sie. Julia Charlotte Richter schöpft aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz. Vor der Kunst studierte sie aufs Lehramt. „All das, was ich dort gelernt habe, beeinflusst meine künstlerische Arbeit.“ Beim Fokussieren helfe ihr auch, dass sie Literatur studiert hat: „Ausschnitte aus Büchern führen bei mir oft zu Bildern, die ich in meinen Videos umsetze.“

Richters berufliche Reise orientiert sich im Moment eher in Richtung Kunst. „Aber ich schließe nicht aus, irgendwann in einer Schule zu arbeiten“, erklärt die 29-Jährige. Sie betrachte den Beruf als Lehrerin jedoch nicht als Notlösung. „Dafür war mir das Studium zu wichtig. Ich finde es toll, zwei Berufsoptionen zu haben.“ Jetzt freut sich Julia Charlotte Richter erstmal auf Willingshausen: „Hier darf man fremd sein, diesen speziellen Blick eines Besuchers haben. Aber trotzdem begegnen einem die Menschen sehr offen“, beschreibt sie ihre ersten Erfahrungen. „Das liegt wohl auch daran, dass hier künstlerisch mehr passiert als in vielen anderen, auch größeren Orten.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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