Historische Gaststätten im Porträt 

Gasthaus "Zum Schwan" in Felsberg: Einst wärmte sich das Vieh im Kino 

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Historische Aufnahme: So sah das Gasthaus „Zum Schwane“ am Felsberger Steinweg früher aus. Links geht es heute in den Biergarten.

Felsberg. In loser Folge stellen wir historische Gaststätten in unserer Region vor. Diesmal: das "Zur Schwane" in Felsberg, das früher "Zum Schwan" hieß. 

Das 1856 erbaute Gasthaus „Zum Schwan“ am Felsberger Steinweg gehört zu den ältesten Gasthöfen in Felsberg. Doch lange Zeit sah es so aus, als hätte die bewegte Geschichte des Hauses ein Ende gefunden: 17 Jahre lang war die Gaststätte geschlossen. Es ist der Familie Hilgenberg zu verdanken, dass es doch weiterging im „Zur Schwane“ – so heißt es seit der Wiedereröffnung im Jahr 2013.

„Wir wollten am Namen nicht viel verändern, er hat uns ja gefallen“, sagt die heutige Inhaberin Heidi Hilgenberg. „Aber wir waren der Meinung, nach all den Jahren könnte der Name jetzt mal weiblich werden.“ Geändert hat sich aber nicht nur der Name – auch sonst ist heute im „Zur Schwane“ manches anders als im „Zum Schwan“. Das frühere Gasthaus mit gutbürgerlicher, deutscher Küche ist einem Café mit frisch gebackenen Kuchen und Torten gewichen.

2004 kauften Heidi und Frank Hilgenberg den Komplex am Steinweg. Zu diesem Zeitpunkt war das Gasthaus bereits seit acht Jahren geschlossen. „Wenn eine Gaststätte so lange ruht, ist es schwierig, sie wieder zu eröffnen. Wir mussten viele Auflagen befolgen“, schildert Heidi Hilgenberg.

Diese Auflagen waren ein Grund dafür, warum sich die Familie dazu entschloss, den 1906 angebauten Saal nicht mehr zu nutzen. Früher wurden dort riesige Feste gefeiert, erzählt Heidi Hilgenberg: etwa von der Firma EAM. Später wurde der Saal als Kino genutzt – bis in die 1970er-Jahre. Und nicht nur das: „Die Inhaber haben früher auch Vieh gehalten und hatten eine eigene Metzgerei. Wenn es im Winter sehr kalt war, haben sie die Tiere mit ins Kino genommen, damit sie nicht erfrieren“, schildert Heidi Hilgenberg.

Noch Original: Inhaberin Heidi Hilgenberg zeigt eine alte Kaffeemaschine, die aus den früheren Zeiten des Gasthauses stammt.

Zwei der alten Kinostühle stehen bis heute im Café. Auch andere Einrichtungsgegenstände erinnern an die Vergangenheit des Gasthauses: Die Theke aus den 1960er-Jahren haben die Hilgenbergs restauriert. Auch das Klavier ist geblieben, und an der Wand hängt eine alte Kaffeemaschine. „Die ist noch original“, sagt Hilgenberg, „aber nicht mehr in Betrieb.“

Im Gasthaus sei immer viel los gewesen. „Es lag ja damals direkt an der Hauptstraße. Viele fahrende Händler kehrten dort ein.“ Auch für die Angelvereine war das „Zum Schwan" Stammlokal, und viele Lehrer der Felsberger Schule verbrachten dort ihre Mittagspause. Doch als 1972 die Eder-Brücke abgerissen wurde, verlor die Straße ihre Bedeutung als Hauptverkehrsachse. Und damit kamen auch weniger Gäste.

Heute ist das „Zur Schwane“ wieder sehr gut besucht, berichtet Heidi Hilgenberg. Im Sommer werde das Café viel „übers Wasser“ frequentiert: Das Gasthaus bietet nämlich einen Kanu-Campingplatz an und hat einen Biergarten. „Unsere Gäste sagen oft, dass man bei uns schnell die Zeit vergisst“, sagt Hilgenberg, „und ich finde auch: man lebt ein bisschen zeitlos hier.“

Quelle: HNA

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