Landgericht verurteilte 60-Jährigen Gastwirt

Sparverein geprellt: Gastwirt muss hinter Gitter

Melsungen/Kassel. Auch nach der Berufung bleibt es dabei: Ein 60-jähriger Gastwirt aus Melsungen, der einen Sparverein um rund 30.000 Euro geprellt hat, muss für anderthalb Jahre hinter Gitter.

Nachdem ihn im August dieses Jahres das Amtsgericht in Melsungen zu dieser Strafe verurteilt hatte, war er dagegen in Berufung gegangen, deshalb musste sich am Dienstag die 9. Strafkammer des Kasseler Landgerichts mit der Sache befassen.

Im Dezember vergangenen Jahres hatte das Sparerfest der 60 Mitglieder des Sparvereins, der in der Kneipe des Angeklagten seinen Sitz hatte, ausfallen müssen. Dem Verein war schlicht sein Geld abhanden gekommen. Der Gastwirt, der nun zum zweiten Mal auf der Anklagebank saß, hatte die Einlagen zunächst auf ein Sparbuch eingezahlt, sich dann jedoch immer wieder dort bedient und Beträge zwischen 1200 und 1900 Euro abgehoben.

Vor dem Amtsgericht hatte der 60-Jährige noch angegeben, das Geld verloren zu haben. Vor dem Landgericht räumte er am Dienstag ein: Weil er wegen einer Steuernachzahlung beim Finanzamt in der Kreide stand, habe er Geld gebraucht und sich deshalb auf dem Konto des Vereins bedient.

„Ich wollte das Geld nicht behalten, sondern zurückzahlen“, beteuerte er am Dienstag. Er habe sich gar um einen Privatkredit bemüht, um das Vereinskonto wieder auszugleichen. „Ich möchte mich dafür entschuldigen, es war eine Sauerei, doch ich dachte, ich kriege das wieder hin“, sagte der Angeklagte in Richtung der zahlreichen Mitglieder des Sparvereins, die als Zuhörer in die Verhandlung gekommen waren.

Sein Anwalt Gert Meyer unterstrich, dass es in dieser Verhandlung lediglich um die Frage ging, ob sein Mandant tatsächlich hinter Gitter muss oder ob die Strafe auf Bewährung ausgesetzt wird. Er verwies darauf, dass der nicht vorbestrafte 60-Jährige für seine inzwischen geschlossene Gaststätte Insolvenz hat anmelden müssen und gegenwärtig arbeitslos ist. In seinem Alter werde er auf dem Arbeitsmarkt kaum noch Chancen haben, so der Verteidiger. Staatsanwalt Matthias Blosche fand hingegen die Strafe aus der ersten Instanz vollkommen angemessen.

Das Gericht sah es ähnlich und verwarf die Berufung. Richter Erwin Carl hielt dem Angeklagten vor, er habe „das Vertrauen seiner Gäste schändlich missbraucht.“ Hinter jedem eingezahlten Betrag hätten Wünsche und Erwartungen gestanden, die der Angeklagte zerstört habe. Nach seiner Tat sei er nicht auf die geprellten Sparer zugegangen, und er habe auch nichts dafür getan, den Schaden wiedergutzumachen. Zwar befinde er sich in der Insolvenz, doch er hätte das, so Carl, auch auf andere Weise versuchen können – etwa durch Arbeitsleistungen. (pas)

Quelle: HNA

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