Gaswerk: Architekt will Abriss von altem Industriegebäude verhindern

+
Gaswerk: Architekt will Abriss von altem Industriegebäude verhindern

Homberg. Jochen Gontermann hat ein klares Ziel: Der Homberger Architekt will das alte Gaswerk im Davidsweg erhalten. Dabei ist es eigentlich längst beschlossene Sache, dass das Backsteingebäude abgerissen werden soll.

Dessen Mauerwerk ist mit Schadstoffen belastet, weil dort bei der Gasherstellung in früheren Jahren mit Chemikalien hantiert wurde.

Billig wird der Abbruch nicht. 1,1 Millionen Euro soll er kosten, knapp die Hälfte davon muss die Stadt schultern. Das Geld ist sogar schon in den städtischen Haushalt eingestellt. Gontermann macht nun aber, kurz bevor die Abrissbirne anrollt, einen ganz anderen Vorschlag. Statt eine halbe Million in den Abriss des Backsteingebäudes aus dem Jahr 1904 zu investieren, könnte es die Stadt auch für 370.000 Euro sanierten lassen. Damit würde sie 130.000 Euro sparen und obendrein noch ein neues Domizil fürs Jugendzentrum bekommen. Samt einer Kulturhalle im 1. Stock.

Das klingt logisch und einleuchtend. Und doch hat dieser Plan einen Haken: Gutachten belegen, dass das Mauerwerk kontaminiert ist. Nicht umsonst hatten die Mitarbeiter des Bauhofes das Gebäude stets nur sporadisch nutzen dürfen. Doch Gontermann ließ sich davon nicht schrecken. Er hat – immer in Abstimmung mit der Stadt – monatelang recherchiert und geforscht, hat Luftmessungen im beheizten und unbeheizten Raum in Auftrag gegeben, hat Mauersteine untersuchen lassen, mit Chemikern und Technikern gesprochen. Nun legt er das Fazit dieser Recherche vor: Es gibt keine Ausdünstungen, die die Gesundheit eventueller Nutzer gefährden könnten.

Die bei der Gasherstellung entstandenen und nun im Mauerwerk eingelagerten Cyanide – das sind Salze und andere Verbindungen der Blausäure – könnten nur dann ausblühen oder vergasen, wenn sie mit Feuer oder Säure in Verbindung kämen. Und das sei nicht möglich. Noch dazu würde das Mauerwerk bei einer fachmännischen Sanierung gut isoliert. Damit, sagt der Architekt, könne man das Gebäude erhalten und weiter nutzen.

Doch längst nicht alle teilen diese optimistische Sichtweise, es gibt auch Skeptiker. Diese Skepsis will der bei der Stadtverwaltung angestellte Gontermann am Freitag bei einem Tag der offenen Tür auflösen. Dann will er mit den Besuchern sprechen, ihre Sorgen zerstreuen, sie von der Machbarkeit der Pläne überzeugen. „Es wäre unglaublich schade, wenn man diesen klassischen Industriebau abreißen würde“, sagt der 60-Jährige.

Doch er weiß, dass er seinen Gegner nicht unterschätzen darf. Denn der ist groß und heißt Angst: „Wenn es ums Gaswerk geht, haben viele schon den Begriff ‘Kontaminierung‘ im Kopf. Und genau das will ich ändern.“ Viel Zeit hat er dazu nicht mehr, denn die Zeit drängt. Die Stadtverordneten müssen so bald wie möglich über das Projekt entscheiden, wenn sie das Geld aus den Förderprogrammen in Anspruch nehmen wollen.

Tag der offenen Tür

Wer wissen will, wie das Homberger Gaswerk von innen aussieht, ob und wie es saniert werden kann und mit welchen Risiken und Kosten das verbunden ist, der ist am Freitag, 12. August, von 13.30 bis 18.30 Uhr beim Tag der offenen Tür willkommen. Die Stadt bietet an diesem Tag Einblicke und Erläuterungen. An diesem Tag steht auch Architekt Jochen Gontermann den Besuchern Rede und Antwort zu einer eventuellen Sanierung. Außerdem werden ein Bau-Chemiker und ein Techniker dabei sein, die ebenfalls fachmännische Antworten auf alle Fragen geben. Das Homberger Gaswerk wäre nicht das erste, das saniert würde: Die Stadt Hünfeld hat ihre ehemalige Gasanstalt in ein modernes Museum verwandelt, das sich heute sowohl von außen als auch von innen sehen lassen kann.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare