Kosten von 12,7 Milliarden Euro pro Jahr allein in der EU

Gebietsfremde Arten gefährden die Natur

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Wolfhager Land. Die Menschen im Wolfhager Land und vor allem jene, die nah an Kassel wohnen, kennen eine ganz besondere Spezies gebietsfremder Untermieter: Waschbären. Aber sie sind nicht die einzigen Einwanderer, die unser Ökosystem durcheinander bringen und gefährden.

Derzeit gibt es in Europa 12.000 gebietsfremde Arten – davon gefährden etwa 15 Prozent die heimische Pflanzen- und Tierwelt.

„Diese so genannten invasiven Arten treten mit den heimischen Arten in Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen“, erklärt Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen. Eine davon ist die Spätblühende Traubenkirsche, die durch ihre sehr vitale Wurzelbrut andere Arten verdrängt. Zindel betont aber zugleich, dass einige der vor Jahrhunderten eingewanderten Neulinge, wie etwa die Roteiche, längst als Bereicherung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt integriert seien. Denn diese haben im Gegensatz zu Parasiten wie dem Asiatischen Laubholzbockkäfer, der Allergien verursachenden Ambrosie und der Herkulesstaude keine invasiven Tendenzen.

Einer aktuellen Schätzung zufolge liegen die Kosten für die Beseitigung der Schäden, die durch solche verdrängenden Arten verursacht werden, allein in der Europäischen Union (EU) bei 9,6 bis 12,7 Milliarden Euro pro Jahr. Um die rasch wachsende Bedrohung durch invasive Arten zu verhindern und einzudämmen, hat die Europäische Kommission nun neue Rechtsvorschriften vorgeschlagen: Erwerb, Einfuhr, Freisetzung und Verkauf bestimmter Arten sollen so künftig in der EU verboten werden. Die Verordnung wird laut Pressemitteilung der Europäischen Kommission derzeit geprüft.

Jakob Gruber, beim Forstamt Wolfhagen zuständig für Naturschutz, begrüßt dieses Vorhaben: „Weil die Auswirkungen dieser Tier- und Pflanzenarten oft zu spät erkannt werden, wird dieses Thema leider oft belächelt, aber es muss ernst genommen werden.“

Hintergrund: Definition: „Invasive“ Arten

Laut Definition aus dem Bundesnaturschutzgesetz handelt es sich bei einer invasiven Art um „eine Art, deren Vorkommen außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets für die dort natürlich vorkommenden Ökosysteme, Biotope oder Arten ein erhebliches Gefährdungspotenzial darstellt”. Wenn im Naturschutz eine Art für Deutschland als invasiv bewertet worden ist, dann handelt es sich um eine gebietsfremde Art, die ein relevantes Problem für die biologische Vielfalt darstellt.

Zahlen und Namensgebung

Laut Bundesamt für Naturschutz kommen in Deutschland etwa 1000 gebietsfremde Pflanzen (Neophyten) unbeständig vor. Davon sind rund 400 etabliert und 40 gelten als invasiv. Von den 1100 gebietsfremden Tierarten (Neozoen), sind etwa 260 Arten etabliert.

Als Referenz , ob eine Art als „gebietsfremd“ bezeichnet wird, gilt das Jahr 1492, in dem Amerika entdeckt wurde. Es markiert den Beginn der modernen Seefahrt, die die Kontinente über den Meerweg miteinander verband.

Arten, die vorher eingebracht wurden, gelten als Archäozoen (Tiere) oder Archäophyten (Pflanzen), die nach 1492 eingebrachten Arten als Neozoen oder -phyten. (mel)

Quelle: HNA

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