Stadt Neukirchen will 350.000 Euro für Ex-Reha-Centrum bieten

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Bröckelnde Idylle: Im Wald zwischen Neukirchen und Christerode liegt das ehemalige Reha-Centum seit Jahren im Dornröschenschlaf.

Neukirchen. Wenn am Dienstag die Stadt Neukirchen für das ehemalige Reha-Centrum im Urbachtal 350.000 Euro bietet, geht es nicht um einen erhofften Zuschlag.

Vielmehr will die Stadt Druck gegenüber dem niederländischen Investor aufbauen, der die riesige Liegenschaft auf 50.000 Quadtratmetern Grund im Jahr 2005 ersteigert hatte. Die Klinik gehörte zu einer Insolvenzmasse.

Gezahlt hat der Niederländer aber nur den Preis. Dem Land Hessen und der Stadt schuldet er bis heute viel Geld: Grundsteuer, Wassergeld, Kanalgebühren, Zinsen und anderes mehr. Allein für Neukirchen summieren sich die offenen Posten auf über 200.000 Euro, hinzu kommen die Schulden, die der neue Eigentümer beim Land hat. Unterm Strich geht es um 350.000 Euro des Steuerzahlers.

Bürgermeister Klemens Olbrich brachte es in der Sondersitzung des Parlaments am Donnerstagabend auf diese Formel: „Das Verfahren ist aufwändig und komplex, doch da wir hinter jeder kleinen Wasserrechnung her sind, müssen wir aus Gerechtigkeitsgründen auch die großen Schuldner angehen.“

Wie es dem Investor gelang, ohne die Begleichung der fälligen Zahlungen ins Grundbuch zu gelangen, ist dem Vernehmen nach nicht bekannt. Jedenfalls will die Stadt nicht in die Röhre schauen und betreibt seit 2008 ein juristisches Procedere namens Wiederversteigerungsverfahren. Am kommenden Dienstag findet nun der erste Termin vor dem Amtsgericht Schwalmstadt statt.

Die Anwältin der Stadt Neukirchen erläuterte am Donnerstagabend, dass Neukirchen dabei weder die Chance noch das Risiko hat, auf den Schlag neuer Eigentümer des Ex-Reha-Centrums mitten im Wald zwischen Neukirchen und Christerode zu werden. Der geschätzte Wert beträgt nämlich über 2,5 Mio. Euro, beim ersten Termin müsste es wenigstens die Hälfte dieses Betrages sein, um als Gebot zugelassen zu werden.

Allerdings wird es zu einem zweiten Termin kommen, wenn am Dienstg kein bislang Unbekannter rund 1,3 Mio. Euro bietet. Im Hintergrund warten offenbar Interessenten auf ihre Schnäppchenchance, zum Beispiel ein vermögnder Waidmann, der an die Errichtung eines Jagdschlösschens denkt, berichtete Bürgermeister Olbrich. Bei einem zweiten Termin fällt die 50-Prozent-Klausel.

Zu all dem kommt es nicht, wenn der Niederländer nun unter Druck die Außenstände begleicht. Angeblich will er das Anwesen bald an eine Interessentin aus Frankfurt weiterverkaufen.

Das Stadtparlament billigte jedenfalls den juristischen Ausflug, bei dem Neukirchen am Dienstag auch mit Sicherheiten in Vorleistung gehen muss, denn die Stadtverordneten wollen endlich das Geld ihrer Wähler zurück holen.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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