Geburtshilfe Wolfhagen: Klinikleitung spricht von erfolgloser Personal-Suche

Bald ohne Geburtsstation: Weil keine Säuglingskrankenschwestern gefunden werden, wird die Geburtshilfe von den drei Belegärzten zum 1. Februar eingestellt. Ihr übriges gynäkologisches Angebot wird von den Medizinern uneingeschränkt beibehalten. Foto:  Norbert Müller/Archiv

Wolfhagen. Es geht ums Personal. Aber: Wer nicht sucht, der kann auch nicht fündig werden. Und so dürfte das Ende der Geburtshilfe in der Wolfhager Klinik nach mehr als 50 Jahren zum 1. Februar besiegelt sein.

Von sechs ausgebildeten Kinderpflegekräften, die nötig sind, um eine Betreuung der Säuglinge rund um die Uhr sicherzustellen, sind nach dem Zusammenlegen der über die Grenzen des Altkreises beliebten Gynäkologie und Geburtshilfe im vergangenen Frühjahr mit Chirurgie, HNO und Urologie noch zwei übrig.

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Vier fehlen also, um eine den Leitlinien entsprechende Versorgung zu gewährleisten. Zwar wurde mit Abordnungen von Krankenschwestern aus anderen Häusern der Holding versucht, die Lücke zu schließen, es gab zwischenzeitlich dennoch immer wieder Situationen, dass keine in der Kinderkrankenpflege erfahrene Kraft auf der interdisziplinären Station im Dienst war.

Die Lösung des Personalproblems ist der Schlüssel zum Fortbestand der Geburtshilfe, die die drei Belegärzte Dr. Marion Reif-Kaiser, Dr. Julia Jungermann und Dr. Werner Prinz unter den bestehenden, nicht leitliniengerechten Verhältnissen nicht weiterführen wollen und rechtlich, wie sie sagen, auch nicht dürfen.

Aber da macht der Geschäftsführer der Kreisklinik, Bernd Tilenius, wenig Hoffnung: „Unser Problem ist die Unmöglichkeit, die geforderten Pflegekräfte zu finden.“ Man sei keinesfalls untätig gewesen. Tilenius: „Wir haben alles, was in unserer Macht steht, versucht.“ Gebracht habe es nichts. Und selbst wenn sich wenigstens eine Kinderkrankenschwester finden ließe, fehlten immer noch drei.

Emotional aufgeladen

Allerdings hat man die Bemühungen längst eingestellt. „Es wird nicht weiter gesucht, wir müssen auch nicht weiter suchen. Es ist sinnlos. In einer so emotional aufgeladenen Situation findet man niemanden.“ Tilenius weiß auch um die Schwierigkeiten mit Abordnungen, mit Aushilfen aus anderen Häusern: „Da haben Sie sofort eine Krankmeldung auf dem Tisch.“ Oder gar die Kündigung. Und wenn doch eine „geschobene und gedrückte“ Kraft zur Aushilfe antritt: „Was soll das für ein Klima sein auf Station“, fragt der Geschäftsführer.

Da sich das Personalproblem - einschließlich der hauptamtlichen Hebamme - nicht lösen lasse, stelle sich die Frage nach einem neuen Kaiserschnitt-OP nicht, der „einen sechsstelligen Betrag“ kosten würde, so Tilenius.

Der Geschäftsführer warnt davor, das Krankenhaus im Zuge der Diskussion um die Schließung der Geburtshilfe schlecht zu reden. Beispiele anderer Häuser hätten gezeigt: „Das Wohl und Wehe von Krankenhäusern hängt nicht von der Geburtshilfe ab“.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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