„Hier ist man noch Mensch“

Wut und Unverständnis: Eine Mutter über die Schließung der Geburtshilfe

Glückliches Quartett: Am Donnerstag kam Jonte in der Wolfhager Klinik zur Welt. Es freuen sich Papa Matthias, Bruder Silas und Mama Bianca. Foto:  Norbert Müller

Wolfhagen. Wut und Unverständnis: Das empfindet Bianca Fieseler, wenn sie über die Schließung der Wolfhager Geburtshilfe nachdenkt. Sie bekam am Donnerstag ihr zweites Kind - in Wolfhagen. Dort fühlt sie sich wohl. „Hier ist man noch Mensch.“

Sie hatte vor wenigen Tagen ihr Zimmer in der Wolfhager Klinik bezogen und wartete auf die Geburt ihres zweiten Kindes. Vier Jahre zuvor war auf der Wolfhager Geburtsstation, die sich damals noch selbständig im Obergeschoss der Klinik befand, ihr Sohn Silas zur Welt gekommen. Weil sie sich so gut aufgehoben fühlte, sollte auch ihr nächstes Kind in Wolfhagen zur Welt kommen.

In der Klinik erfuhr sie nun am Mittwoch, 11. Dezember, aus der HNA, dass die Geburtshilfe zum 1. Februar 2014 eingestellt wird. Spontan schrieb sie unserer Redaktion folgende Mail:

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"Morgen wird voraussichtlich der große Tag sein, und unser zweites Kind wird in Wolfhagen geboren werden. Seit Tagen warte ich auf Wehen, die nicht einsetzen wollten, die es aber nun seit Bekanntwerden der Schließung der Geburtsstation schon alleine aus Wut und Unverständnis tun!

Wie ist es möglich, dass Hebammen in unserer Gesellschaft eine derart schlechte Stellung haben? Jede Mutter musste sich damit auseinandersetzen, wie sie ihr größtes Geschenk – ein Kind – auf die Welt bringt, aber anscheinend möchte sich kaum jemand mit Anfang und Ende des Leben auseinandersetzen. Anders ist es nicht zu verstehen, dass es geduldet wird, sich in eine derartige Abhängigkeit einer Holding, die nur auf Effizienz beruht, zu begeben.

Wer will gerade auf dem flachen Land noch Kinder bekommen, wenn der Start den Eltern und Kindern so schwer gemacht wird?

Ich musste aufgrund einer drohenden Frühgeburt drei Monate im Bett liegen, und der Zielgedanke, wieder in der freundlichen, empathischen Atmosphäre des Wolfhager Krankenhauses, in dem man noch Mensch ist, entbinden zu dürfen, hat mich jeden Tag neu gestärkt.

Ab Februar soll es das hier nicht mehr geben. Wo bleibt die Menschlichkeit? Und hat sich schon mal jemand gefragt: Wo bleiben die engagierten Ärzte, Schwestern und Hebammen, die erstaunlicherweise trotz horrender Versicherungssummen, unregelmäßiger Arbeitszeiten und sicher nicht immer einfachen Bedingungen während der Geburt eine Gelassenheit und Einfühlsamkeit besitzen, die die neue Elterngeneration so nötig braucht!“

Am Donnerstag kam Bianca Fieselers Sohn Jonte zur Welt. Sie fühlte sich auch bei dieser Geburt – wie erwartet – bestens betreut und umsorgt. In der gleichen Nacht gab es in der Wolfhager Klinik noch zwei weitere Geburten. Für Bianca und ihren Mann Matthias ist es völlig unverständlich, dass man die so hoch geschätzte Geburtshilfe in Wolfhagen aufgibt. (nom)

Quelle: HNA

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