Erinnern und nie vergessen

Gedenken an Pogromnacht: Tafel enthüllt

In Erinnerung an die Familie Katzenstein: Bürgermeister Reinhard Schaake enthüllte anlässlich der Gedenkfeier zur Pogromnacht die neue Tafel in der Schützeberger Straße. Fotos: zhf

Wolfhagen. Erinnern, bedenken, handeln und nie vergessen. Darauf komme es an, sagte Richard Mangold am Samstagabend, als zahlreiche Bürger durch die Wolfhager Innenstadt liefen um gemeinsam der schrecklichen Ereignisse in der Pogromnacht am 9. November 1938 zu gedenken.

An markanten Stationen der einstigen jüdischen Gemeinde machten sie Halt und riefen die nationalsozialistischen Gräueltaten aus der Reichspogromnacht von vor 75 Jahren wieder ins Gedächtnis.

„Die Erinnerung darf niemals verblassen, es ist unsere tiefste innere Überzeugung, die schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten, das sind auch wir Wolfhager den Opfern schuldig“, so der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins. Die vielen Recherchen über einzelne Familienschicksale und die geknüpften Kontakte zu noch lebenden ehemaligen Wolfhager Bürgern jüdischen Glaubens seien deutliche Zeichen des Bemühens.

So auch die Gedenktafeln an Häusern der Altstadt, die einst in jüdischem Besitz waren. Seit Samstag erinnert nun auch eine Tafel am Haus in der Schützeberger Straße 55, wo die Familie Katzenstein einen Manufakturladen betrieb: „Hier wohnte Max Katzenstein, Mitglied der jüdischen Gemeinde Wolfhagen, geboren am 23. Mai 1898, mit seiner Ehefrau Rika, geborene Baum. Er flüchtete über die Niederlande nach Frankreich. Am 18. September 1942 wurde er von Drancy in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Am 31. Dezember 1942 wurde Max Katzenstein dort für tot erklärt.“ Was das Schild in knappen Worten zusammenfasst, führte Mangold ausführlich aus, berichtete auch von zwei Nachfahren Katzensteins. „Wahrscheinlich lebt noch ein Enkeln in den Niederlanden und ein Schwiegersohn in Tel Aviv, um Kontakt herzustellen, sind weitere Recherchen notwendig.“

Routine des Gedenkens

Wie wichtig das Erinnern ist, verdeutlichte auch Wolf-Arne Pillardy. „Es kommen jetzt Menschen, für die sind die Geschehnisse Geschichte, keine Zeitgeschichte mehr, keine Gegenwart“, so das Mitglied des Heimat- und Geschichtsvereins. Die Betroffenheit werde weichen, es werde so etwas kommen, wie die Routine des Gedenkens. Die Lebendigkeit der Erinnerung liege in ihrer Aktualisierung.

Wie das funktionieren kann, zeigten die Mitglieder des Kurses Darstellendes Spiel der Wolfhager Wilhelm-Filchner-Schule, die sich in den vergangenen Wochen über ein szenisches Spiel den Ereignissen des Novemberpogroms genähert hatten, das sie während der dem Spaziergang vorausgegangenen Gedenkveranstaltung in der Kulturhalle präsentierten. Mittelpunkt ihrer fiktiven Gesprächsrunde waren die Erinnerungen einer Wolfhager Nichtjüdin, die die Ereignisse in Wolfhagen, die 51 Menschen das Leben kosteten, eindrucksvoll zusammenfasste.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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