Abend mit den "Grenzgängern"Lieder aus den Konzentrationslagern

Konzert in Trutzhain: Die Gruppe „Die Grenzgänger“ von links Frederic Drobnjak, Michael Zachcial, Annette Rettich und Felix Kroll. Foto: Rose

Trutzhain. Am 27. Januar jährte sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Daran erinnerten die Gedenkstätte Trutzhain zusammen mit dem DGB Schwalm-Eder mit einem Liederabend.

 Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an den europäischen Juden. Auschwitz ist Ausdruck des Rassenwahns und das Kainsmal der deutschen Geschichte. Zu Gast war die Gruppe „Die Grenzgänger“ aus Bremen.

Vor vollem Haus stellten die Musiker Lieder aus den Lagern und des Widerstands vor - bewegend, beeindruckend, berührend -, vor allem aber Mut machend. Denn die Texte sind nicht nur Ausdruck des unendlichen Leids, sondern auch von Zivilcourage der Menschen, die sich dem NS-Regime in den Weg stellten.

Facetten des Widerstands

Michael Zachcial (Gitarre, Gesang), Annette Rettich (Cello), Felix Kroll (Akkordeon) und Frederic Drobnjak (Gitarre) zeigten alle Facetten und Formen des Widerstands und erinnerten musikalisch und textlich an ein wenig bekanntes Kapitel deutscher Geschichte. Denn tatsächlich erfuhren Widerstandskämpfer - wenn überhaupt - eine späte Würdigung.

Wiederentdeckt haben die Grenzgänger Volkslieder, zumindest für ihren Sprachgebrauch: „Das Etikett Politgruppe ist in Deutschland eher geschäftsschädigend“, erklärte Zachcial. Im Wortsinne seien die Lieder eben auch Volkslieder: „Das fängt mit Kinderliedern an, die erzählen, wie sich Kinder im Alltag und auf der Straße behaupten mussten.“

Zu hören war aber auch ein Lied, das etwa in den 1930er-Jahren in Sachsenhausen entstand und die Stimmung im Lager beschreibt. Entdeckt hat es die Gruppe im Archiv in Freiburg: „Zu finden ist es auch in einer Sammlung der Aktivistin Inge Lammel“, erklärten die Musiker.

Sinti- und Romarhythmen mischten sich mit Swingelementen im Lied von Nathan Hirschfeld, einem Kommunist, der sich im Gefängnis in die Ferne träumte. An die schwere Arbeit im Moor erinnerte ein 1937 entstandenes Lied aus Theresienstadt. „Es gab in den Lagern auch musikalische Zwangsarbeit“, verdeutlichte Zachcial. Auch habe es heimlich geführte Liederbücher gegeben. „Die Häftlinge haben die Texte handschriftlich eingetragen und sind damit ein hohes Risiko eingegangen.“

Nicht nur im Zweiten, auch im Ersten Weltkrieg entstanden musikalische und menschliche Zeugnisse. „Lili Marleen“ wurde zur Hymne der Soldaten, „das Lied traf die Friedenssehnsucht“. Getextet wurde es 1915 von Hans Leip.

Ein Germanist jüdischen Glaubens verfasste Sophie Scholls Lieblingslied mit russischen Motiven in der Melodie. Als frühe Erklärung der Menschenrechte beschrieb Michael Zachcial „Und weil der Mensch ein Mensch ist“. Der Text stamme von Berthold Brecht, die Musik von Hanns Eisler. Es sei 1934 im Exil in Schweden entstanden und gilt als eines der bekanntesten Lieder der deutschen Arbeiterbewegung.

Quelle: HNA

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