Holger Becker trug im Museum Gereimtes und Ungereimtheiten aus dem Alltag vor

Ein Gedicht geht immer

Darauf macht er sich einen Reim: Holger Becker bei der Lesung im Homberger Heimatmuseum. Foto: Thiery

Homberg. Ein bisschen erinnert er bei seinem Auftritt an Heinz Erhardt. Er rollt Augen und Kopf, lugt schelmisch hinter der Brille hervor und spielt lustig den Unbeholfenen. Und er dichtet so heiter ironisch wie der große Künstler. Holger Becker trug am Freitag im Homberger Heimatmuseum einige seiner Gedichte vor.

Der berühmten Made setzt er viel Eigenes aus der Tierwelt gegenüber.

„Frosch am Teich entdeckt die Fliege. Denkt: Na, ob ich die wohl kriege? Fliege ist noch sehr vital. Frosch denkt: Na, dann nächstes Mal.“

Schnell und heiter sprudeln die Worte aus ihm heraus. Tiere sind seine Lieblingsthemen berichtet der Braunschweiger, der im richtigen Leben Standesbeamter ist. Aber auch das Essen spielt eine große Rolle.

Am liebsten personifiziert er alles. Da spricht der Pudding, die Apfelsine wünscht, sie wäre ein Vöglein, Beere und Traube überlegen, ob sie sich zum Gelee vereinen. Erfinderisch bleibt er beim Anblick eines braunen Eintopfs und macht sich darauf seinen Reim: „Das muss die Moppelkotze sein.“

Ungereimtheiten des Alltags und der Sprache sind seine Inspirationen. Als Verwaltungsbeamter ordnet er seinen Vortrag streng in vier Sparten: Tiere, Essen, Menschen sind auch nur Tiere und Gedichte sind auch nur menschlich. Schon dahinter entdeckt man den Humor, in den er seine Gedichte verpackt. Selbst das Wort Gedicht bleibt nicht verschont. Geh! und Dichte! versteht er als Imperativ und Aufforderung zum Reimen. Auch da setzt der 41-Jährige noch einen drauf.

„Wer stets die eig’ne Sprache spricht, merkt hier und da, da reicht sie nicht. Doch auch das Dunkle bietet Licht, es reicht noch immer für’n Gedicht!“

Vor ein paar Jahren schrieb er jeden Tag eines davon. Mittlerweile sind es 500. Aber auch sonst ist der Standesbeamte kreativ: er malt und musiziert. Einige seiner Gedichte trug er mit Klavierspiel vor.

Becker ist seit Jahren mit Stephanie Jakob, der Vorsitzenden des Heimatmuseums, befreundet. Sie holte ihn zum Auftritt nach Homberg. Der Abend mit den lustigen Reimen war der Abschluss der Museumssaison. Die wird mit dem Ostermarkt im kommenden Jahr wieder eröffnet.

Und noch einen zum Schluss: „Ente geht auf nassem Gras, Entenfüße werden nass, Ende denkt wird mich nicht jocken, Sonne macht sie wieder trocken.“ • www. tastenlyrik.de

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare