Infektionen bei Gesundheitsamt gemeldet

Gefährliche Keime auch in Schwalm-Eder-Kliniken

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Eine Bakterienkultur in einer Petrischale.

Schwalm-Eder. Mit einem multiresistenten Keim - der im Uni-Klinikum Frankfurt drei Patienten tötete - haben sich auch im Schwalm-Eder-Kreis mehrere Menschen infiziert.

Seit 2013 waren dies 30. Nach Angaben des Gesundheitsamtes sei keiner der Patienten an den Folgen der Infektion gestorben.

Der multiresistente Keim trägt den Namen 4MRGN. Die vier steht dafür, dass er gegen vier von vier bekannten Antibiotikagruppen resistent ist. Der Erreger übersteht sogar die Desinfektion auf der Intensivstation. Es gibt kein bekanntes Antibiotikum, das ihn tötet.

Verbreiteter ist ein anderer Erreger, der MRSA-Keim oder Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. „MRSA besiedelt bei vielen Menschen die Haut, ohne dass er Krankheitssymptome hervorruft“, sagt Dr. Ulrich Klinge, kommissarischer Leiter des Gesundheitsamtes. 4MRGN lebt hingegen im Magen-Darm-Trakt.

Unterschieden wird in der Bewertung der Gefahren zwischen einer Besiedlung des Körpers oder einer Infektion. Für eine Infektion müssen die Keime in die Blutbahn oder den Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) des Menschen gelangen. Ausschließlich diese Infektionen sind meldepflichtig. In den Krankenhäusern im Landkreis werden deutlich mehr Patienten mit einer Besiedlung identifiziert. Alle Risikopatienten werden nach ihrer Einlieferung auf Multiresistente Erreger (MRE) untersucht.

Risikopatienten sind: Menschen aus Regionen oder Kliniken mit hohen MRE-Fällen, Zimmernachbarn von MRSA-Patienten, Patienten mit chronischer Pflegebedürftigkeit, Dialysepflichtige, Menschen mit Brandwunden oder chronischen Wunden. In Deutschland sterben laut Gesundheitsministerium jährlich etwa 15 000 Menschen an den Folgen einer solchen Infektion. 

In den beiden Asklepioskliniken wurden im vergangenen Jahr 13 850 Patienten behandelt. Bei den Screenings wurden 164 Patienten mit einer MRSA-Besiedelung identifiziert. In der Hephata-Klinik wurden 2015 3029 Patienten aufgenommen, 963 wurden gescreent, 20 davon waren positiv auf einen MRSA-Befall. Alle MRSA-Patienten werden in den Krankenhäusern isoliert, und es gelten besondere Sicherheitsvorkehrungen. Denn auch wenn die Besiedelung für den Patienten selbst harmlos ist, kann er gefährdete Patienten anstecken und eine Infektion auslösen. Das Hospital zum Heiligen Geist konnte am Mittwoch die Anfrage nicht beantworten.

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Quelle: HNA

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