Bürgerinitiative Frielendorf organisierte Themenabend zur industriellen Tierhaltung

Gefährliche Keime im Mist

Gäste lauschten aufmerksam: 50 Zuhörer waren am Mittwochabend ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus nach Frielendorf gekommen, um sich zu informieren und ins Gespräch zu kommen. Fotos: Rose

Frielendorf. Zu einem Themenabend hatte eine neu gegründete Bürgerinitiative am Mittwochabend nach Frielendorf eingeladen. 50 Menschen kamen zusammen, um mehr über das Thema „Hühnermist – Auswirkungen auf die Lebensmittelkette, Krankheiten und Antibiotikarestistenzen“ zu erfahren.

Das Podium setzte sich zusammen aus Mitorganisator Helge Schröder, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Norbert Klapp, der Mikrobiologin und Kommunalpolitikerin Dr. Bettina Hoffmann, Neurologe Christopher Wadehn und Dr. Hans-Wilhelm Ide vom Amt für den ländlichen Raum.

Ein Film stimmte die Besucher auf den Abend ein. Darin wurde auf Hühnermist aus Massentierhaltung aufmerksam gemacht, der im Verdacht steht, multiresistente Keime auf den Menschen zu übertragen. Nicht abgedeckter Mist könne in Form von Bioaerosol – also Stäuben – bis zu 100 Meter weiter getragen werden, erläuterte Hoffmann. Im Mist nachgewiesen sei auch das resistente Bakterium MRSA. Norbert Klapp ärgerte sich, dass man letztlich den Landwirten „die Schuld in die Schuhe schieben“ wolle. Problematisch sei, betonte Hoffmann, dass die Lagerung von Mist fachliche Praxis sei. „Es läuft alles nach Recht und Gesetz. Das ist das Problem.“

Diese Praxis bestätigte auch Ide: „Der Gesetzgeber sieht hier keine tiefgreifenden Kontrollen vor.“ Zur Massentierhaltung äußerte sich auch Tierarzt Dr. Michael Rickert aus Niedergrenzebach, der im Publikum saß. „Ein normaler Tierarzt ist nicht mehr in der Lage, das hochdiffzilie Biosystem Mastgeflügel zu managen.“ Er gab aber zu bedenken, dass in seiner 30-jährigen Tätigkeit als Lebensmittelkontrolleur keine Antibiotikarückstände in Fleisch nachgewiesen wurden.

Hoffmann zitierte aus einer Studie aus Nordrhein-Westfalen: „91 Prozent aller Hähnchen werden in ihrem vierwöchigen Leben mindestens drei Mal mit Antibiotika behandelt.“ Christopher Wadehn erklärte, dass der Keim im Klinikalltag bereits erhebliche Hygienemaßnahmen erfordere. Die Erfindung des Antibiotikas sei ein Segen: „Aber es verliert zunehmend ihre Wirksamkeit. Irgendwann werden wir gegen diese Keime keine Waffe mehr haben.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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