Gefängnis: Landgericht Kassel verurteilt Soldat wegen Raubserie

Kassel/Fritzlar. Mehrere Überfälle auf Spielotheken in Fritzlar und Kassel sowie auf eine Tankstelle in Fritzlar hatte ein 26-Jähriger gestanden. Jetzt wurde der Soldat zu einer Gefängisstrafe verurteilt.

Ironisch sprach Richter Jürgen Stanoschek von „Kreislaufwirtschaft“: Weil der Angeklagte Geld zum Spielen brauchte, hatte er Spielhallen überfallen, und seine Beute wieder verzockt. Wenn auch in anderen Casinos.

Am Mittwoch wurde der 26-Jährige vom Kasseler Landgericht wegen Diebstahls und Raubes zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt.

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Als Unteroffizier der Bundeswehr hatte der Mann in Fritzlar seinen Dienst versehen, war der Justiz nur als Fahrer eines frisierten Mopeds aufgefallen. Dann wurde er zum Serienräuber: Innerhalb von nur drei Wochen suchte er fünf Mal Spielhallen in Kassel und Fritzlar heim und einmal eine Tankstelle. Meist nur mit Worten oder der erhobenen Faust drohend, aber in einem Fall mit einem Bundeswehrmesser, hatte er insgesamt 3500 Euro erbeutet.

Und warum? Weil er mit seinem Leben nicht zurecht kam und, so drückte es Richter Stanoschek aus, als „Therapeutikum“ sein Heil im Glücksspiel gesucht hatte. Von der Bundeswehr fern seiner im Westfälischen lebenden Familie eingesetzt, hatte er sich in der Kaserne zu langweilen begonnen. Hatte sich einsam gefühlt und mit Spielen abgelenkt.

Auch das Problem seines Liebesleben mit zwei Frauen, die nichts voneinander wussten, versuchte er so zu lösen: Statt sich dem Problem zu stellen, betäubte er sich mit Zocken an Geldspielautomaten.

„Was andere mit Alkohol machen, hat er mit Spielen gemacht“, erklärte die psychiatrische Sachverständige Birgit von Hecker, die dem Angeklagten „pathologisches Spielen“ bescheinigte. Der 26-Jährige hatte sich verschuldet, Ehering und Schmuck beim Pfandleiher verletzt, nächtelang durchgespielt, so dass er beim Dienst in der Kaserne einschlief. Schließlich unternahm er einen Selbstmordversuch, weil ihm seine Lage so aussichtslos erschien.

Dennoch befand die Gutachterin: „Er ist schwer, aber nicht schwerst betroffen – da ist nach oben noch Luft.“ Anders als bei Drogenabhängigen habe ihn seine Spielsucht nicht so ergriffen, dass er keinen klaren Gedanken mehr habe fassen können. Und auch bei den Überfällen sei er sehr kontrolliert vorgegangen. „Tarnen und Täuschen“, hatte der Angeklagte gesagt, „habe ich bei der Bundeswehr gelernt.“ Und deshalb habe er sich, um nicht erkannt zu werden, vor den Taten eigens umgezogen und vermummt.

Aus alldem folgerte die psychiatrische Sachverständige: volle Schuldfähigkeit. Und das Gericht schloss sich dieser Einschätzung an. Mit dem Urteil blieb die Strafkammer unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die fünf Jahre Haft verlangt hatte - genau doppelt so viel wie die Verteidigung.

von Joachim F. Tornau

Archivvideo: Überfall auf Fritzlarer Tankstelle: Mehrfachtäter geschnappt

Quelle: HNA

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