Leichtfertiger Einsatz von Antibiotika begünstigt multiresistente Erreger

Die Gefahr ist unsichtbar

Leiter des Hygienischen Dienstes in Kassel: Dr. Markus Schimmelpfennig. Archivfoto: Fischer

Melsungen. Sie heißen Pseudomonas, ESBL und MRSA – multiresistente Keime sind im Gesundheitswesen ein großes Problem. Die Ursachen sind laut Experten Hygienemängel und der leichtfertige Einsatz von Antibiotika – auch bei der Tiermast. Traurige Berühmtheit haben die Keime durch Vorfälle wie in Bremen erlangt, wo im vergangenen Jahr Frühchen an einer Infektion starben.

„Wer unterschreibt, unterschreibt Mindeststandards.“

Dr. Markus Schimmelpfennig

In allen Landkreisen Nordhessens existierten bereits Netzwerke gegen die Keime, sagt Dr. Markus Schimmelpfennig vom Gesundheitsamt Region Kassel. Doch diese konzentrierten sich bisher auf Erreger wie Methicillin-resistenter Staphylococcus (MRSA), der für Entzündungen und Gewebezersetzung sorgt.

Laut Schimmelpfennig hat das Gesundheitsministerium gefordert, dass sich die regionalen Netzwerke zu vier überregionalen zusammenschließen: Für einen Patienten der von Korbach nach Kassel kommt, sollten schließlich die gleichen Standards gelten, wie für einen Patienten, der von Fulda nach Melsungen verlegt wird. Bisher gebe es beispielsweise unterschiedliche Vorgaben, wann ein Abstrich zu nehmen ist.

Für die Mitgliedschaft im MRE-Netzwerk gelte: „Wer unterschreibt, unterschreibt Mindeststandards“, sagt Schimmelpfennig. Für den Informationsaustausch soll es unter anderem eine Internetplattform geben.

Koordiniert wird die Sache vom Gesundheitsamt der Region Kassel. Dort ist auch die Zentrale des Netzwerks. Kosten entstünden deshalb keine, die Mitgliedschaft ist kostenlos.

Das Netzwerk will auch niedergelassene Ärzte und ambulante Dienste ansprechen. Einen Zwang zur Mitgliedschaft gebe es aber nicht. Erwünscht sei durchaus ein „informeller Druck“. Patienten bekommen durch die Netzwerke vor Ort Informationen, wer sich zu den Standards verpflichtet. Die Sanktionsmöglichkeiten für Mitglieder bei Verstößen seien aber gering: „Wir können Mitglieder an Pflichten erinnern und ausschließen“, sagt Schimmelpfennig. Justiziabel werde es nur bei Verstößen gegen Gesetze.

B.  Braun ist Mitinitiator

Im Netzwerk willkommen sind auch Unternehmen. Denn dass die Gründung in Melsungen stattfindet, liegt an B. Braun.

„Wir haben das mit aus der Taufe gehoben, weil es ein brennendes Thema in den Kliniken ist“, sagt Dr. Wolfgang Schrammel, stellvertretender Leiter der Unternehmenskommunikation. B. Braun produziere entsprechende Produkte wie Desinfektionsmittel. „Die Herausforderung ist, dass diese auch gegen multiresistente Keime wirken.“

Laut dem MRE-Netzwerk sind alle Partner willkommen, man werde nicht einseitig ein bestimmtes Unternehmen bevorzugen.

Von Göran Gehlen

Quelle: HNA

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