Gefahrguttransporte: Ordnungsämter sind mit Aufgabe überfordert - kaum Kontrollen

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Die Kleidung musste in die Wäsche: Speditionsmitarbeiter geben vor der Stadthalle ihre Bekleidung ab.

Schwalm-Eder. 170 Millionen Tonnen Gefahrgüter wurden nach Angabe des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2008 auf deutschen Straßen befördert und umgeschlagen. Die erschreckende Erkenntnis: Kontrolliert wird nur wenig.

An den verschiedenen Logistikstandorten im Landkreis werden einige tausend Tonnen Gefahrgut jährlich umgeschlagen, schätzt Gefahrgut-Experte Carsten Klee aus Neukirchen.

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Sind die Lastwagen mit Gefahrgut unterwegs, kontrolliert die Polizei. Zu 500 Gefahrgutanzeigen im Straßenverkehr kommt es in Hessen nach Angabe der Straßenverkehrsbehörde beim Regierungspräsidiums Kassel jährlich. Das seien im Vergleich zum Verkehrsaufkommen sehr wenig, sagt Dezernatsleiterin Gabriele Dombois. Dabei würden die Ladungssicherung und fehlende Ausrüstungsgegenstände am häufigsten bemängelt.

Stehen die Lkw an Umschlagbetrieben sind hingegen die Ordnungsämter der Kommunen zuständig. Regelmäßige Kontrollen seien mit dem vorhandenen Personal nicht möglich, sagt Helmut Wagner, Leiter des Homberger Ordnungsamtes. Die Spedition CTL wurde in den vergangenen Jahren lediglich einmal kontrolliert. Hinzu komme die fehlende Qualifikation der Mitarbeiter.

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Im Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) sind die Vorschriften und Anforderungen geregelt. Carsten Klee bestätigt, dass nur ein Profi mit dem ADR sinnvoll Kontrollen vornehmen kann.

Das bestätigt auch Stefan Lautenschläger von der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises: Es gebe kaum Kontrollen. Das Risiko sei zwar bekannt, aber die Mitarbeiter verfügten nicht über die nötige Qualifikation. Verkehrskontrollen seien nicht möglich, da die Mitarbeiter nicht in den fließenden Verkehr eingreifen dürften.

Es gibt eine Berichtspflicht nach dem Gefahrgutüberwachungsgesetz für Kommunen. Doch wo nicht kontrolliert wird, gibt es auch keine Berichte. „Uns fehlt einfach die Sachkenntnis“, sagt Reiner Rössel, bei der Stadt Gudensberg zuständig für die Ordnung. Es gebe zwar ein Chemieunternehmen in der Stadt, kontrolliert werde dort aber eher nicht.

Um das zu vermeiden haben die Kommunen Körle, Guxhagen, Felsberg, Niedenstein, Melsungen und Edermünde einen Ordnungsbezirk Gefahrgut eingerichtet. Die Hilfspolizeibeamten kontrollieren den ruhenden und fließenden Verkehr und gehen auch in die Unternehmen um zu kontrollieren. „Die beteiligten Kommunen bezahlen die Mitarbeiter und deren Fortbildung“, sagt Stephan Wassmuth, Leiter des Edermünder Ordnungsamtes. „In Edermünde bin ich das Ordnungsamt im Außendienst. Ich hätte überhaupt keine Möglichkeit, diese Aufgabe zu übernehmen.“

Ein Überwachungsbezirk sei auch für Homberg eine Lösung, sagt Ordnungsamtschef Helmut Wagner. Allerdings habe man bis vor wenigen Tagen nicht einmal gewusst, dass beispielsweise bei CTL Gefahrgüter umgeschlagen werden.

Quelle: HNA

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