Malen als Mutprobe: Astrid Schlemmer zeigt Acryl- und Ölbilder in der Kreissparkasse

Gefühl fließt auf Leinwand

Lichtblick: 2009 erkrankte Astrid Schlemmer an Brustkrebs. Ihren Umgang mit der Krankheit hat die 46-Jährige in Bildern verarbeitet, die ab sofort in Ziegenhain zu sehen sind. Foto: Rose

Ziegenhain. Astrid Schlemmer ist mutig. Mutig, ihrer Brustkrebserkrankung zu begegnen. Mutig, ihre Gefühle auf Leinwand zu bannen. Und mutig, offen darüber zu sprechen. Malen als Mutprobe – Kreativität aus der Tiefe des Seins: So heißt die Ausstellung der Seigertshäuser Künstlerin Astrid Schlemmer, die am Donnerstag in der Kreissparkasse in Ziegenhain eröffnet wurde.

Alle Werke der 46-jährigen Heilpädagogin stammen aus dem Zeitraum Juli 2009 bis September 2010. Die Acryl- und Kreidebilder sprechen eine deutliche Sprache. Von Trauer, Angst, manchmal Wut und Ohnmacht. Aber auch von Liebe, Zuneigung, Zuversicht, Hoffnung und Freude. Seit ihrer Schulzeit drückt die gebürtige Hersfelderin ihre Gefühle im Malen aus. Hier findet Astrid Schlemmer die Möglichkeit, ihre Gefühle hin und her zu bewegen, sie zu bearbeiten, sie über den Pinsel auf Leinwand fließen zu lassen.

Zuversicht haben ihr die Eltern schon in jungen Jahren mit auf den Weg gegeben, sagt sie: „Sie nannten mich wilde Hummel, immer in Bewegung.“ Der Mutter gewidmet ist das Werk „Lichtblick“: „Meine Mutter arbeitete in Schweden und hatte wenig Geld. Aber sie war kreativ. Kurzerhand hat sie sich ihren BH selbst gehäkelt“, erzählt Schlemmer. Nach dem Tod der Eltern fiel der Tochter beim Ausräumen des Hauses das filigrane Stück wieder in die Hände. Monatelang lang lag der BH in Astrid Schlemmers Arbeitszimmer. „Eines Tages hat er mich einfach angelacht“, sagt sie. Die Künstlerin hat die zarte Hülle mit Form ausgefüllt, die weibliche Brust mit Gipsbinden nachgebildet. „Ich blicke der Wahrheit ins Auge, die Endlichkeit verliert ihre Angst. Ich habe gelernt, an Verletzungen zu wachsen und nicht zu zerbrechen“, sagt sie.

Hochachtung empfindet Gisela Orf als sie den Weg Astrid Schlemmers in ihrer Laudation nachzeichnet. Die Frauen begegneten sich auf der Wachstation der Frauenklinik zum ersten Mal. „Zwei fröhliche junge Leute kamen ins Zimmer. Astrid und ihr Mann. Da sah ich den Beutel und den Schlauch unter ihrem Shirt – und ich staunte in meinem Bett.“ Vier Operationen, quälende Wartezeiten – äußerlich sei Astrid Schlemmer ruhig gewesen. „Wie es innen aussah, darüber geben mir die Bilder heute eine andere Antwort“, sagt Orf. Titel wie Wagnis und Entrümpelung machen betroffen, sind aber gleichwohl Symbol für Stärke. „Mein Anliegen ist es, Mut zu machen und nicht in der Krankheit zu erstarren“, sagt Astrid Schlemmer.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare