Auf dem Gebiet der Sängermühle stand vermutlich älteste Waldschmiede Kurhessens

Das Geheimnis bewahren

Historisch: Zwischen Riebelsdorf und Rückershausen liegt die Sängermühle. Zur Geschichte einer Waldschmiede, die zuvor dort stand, forschte Georg Blumenauer (links). Der Besitzer des Hauses, Georg Itzenhäuser (rechts), unterstützte ihn dabei. Foto:  Schittelkopp

Riebelsdorf. Als Georg Itzenhäuser vor zehn Jahren einen halben Eimer Eisenschlacke zu Georg Blumenauer brachte, wurde ihm klar, welche Geschichte sich hinter der Sängermühle verbirgt. Wo sich heute die stillgelegte Mühle zwischen Riebelsdorf und Rückershausen befindet, stand bis ins 15. Jahrhundert eine Waldschmiede. Blumenauer geht sogar davon aus, dass es sich dabei um die älteste Waldschmiede Kurhessens handelt könnte.

Georg Blumenauer war in einem historischen Ortslexikon auf die Erwähnung einer Waldschmiede gestoßen. Wo diese jedoch genau lag stand in dem Text nicht, vermutet wurde in der Nähe der Neukirchener Wiesenmühle. Doch dort fand der Hobbyhistoriker keine Eisenschlacke – die Rückständen einer Schmiede.

Bei Bauarbeiten auf seinem Grundstück stieß Itzenhäuser auf die Rückstände – bis zu zwei Metern tief im Boden. „Damit wurde das Erdreich gefestigt“, so der Riebelsdorfer.

Blumenauer geht davon aus, dass die Schmiede bereits 1000 bis 1200 existierte. „Vielleicht stammt sie gar aus der Zeit Karls des Großen um 800“, erklärte Blumenauer. Dies schließt er aus anderen Funden in der Region. Doch um ganz sicher zu sein, müsste er Scherben – von Krügen und Geschirr – daran kann er ableiten, wann Menschen dort lebten. Allerdings plant Hausbesitzer Georg Itzenhäuser keine Bauarbeiten in der nächsten Zeit, bei der Scherben gefunden werden könnten. So wird die Erde das Rätsel um das Alter der Schmiede noch weiter bewahren.

Nur wenig Eisenerz

Im 15. Jahrhundert verließen die Bewohner die Schmiede. In dieser Zeit, so ist in historischen Dokumenten zu lesen, stand dort bereits eine Mühle. Blumenauer und Itzenhäuser vermuten, dass die Schmiede nicht mehr rentabel wäre, große Konkurrenten hatte sich entwickelt. Zudem gab es in der Gegend nur wenig Eisenerz, es wurde aus dem Bach geborgen.

In einem Riebelsdorfer Saalbuch von 1585 ist die Sängermühle zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1839 wurde das heutige Haus erbaut und bis 1991 mahlte der Vater von Georg Itzenhäuser dort noch. Von Ziegenhain bis Oberaula war das Mehl aus Riebelsdorf im Handel.

Mittlerweile steht die Mühle still, die Scheune ist leer und ein Mühlrad dient als schicker Blumenkübel. Das Mahlen lohnte sich angesichts der modernen Großanlagen nicht mehr, so Itzenhäuser, zudem führt die Grenff im Sommer zu wenig Wasser.

Wie die Sängermühle zu ihrem Namen kam, darüber gibt es verschiedene Thesen: „Es wird angenommen, dass er vom summenden, singenden Klang der Schmiedehammer herkommt“, sagte Georg Itzenhäuser. Georg Blumenauer hingegen vermutet, der Name ist vom mittelhochdeutschen Wort Sinder, das Schlacke bedeutet, abgeleitet.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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