Kindergärten sollen für Noten und Texte aus Liederbüchern zahlen

Geld für die Kopien

Gemeinsames Musizieren kann teuer werden: Die Gema fordert Lizenzgebühren für Noten- und Liedtextkopie von den Kindergärten. Foto: dpa

Fritzlar-Homberg. Kindergärten und Kitas im Schwalm-Eder Kreis werden zur Kasse gebeten: Für Kopien von Liedtexten und Noten wird von der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) eine Lizenzgebühr verlangt.

Die Forderungen stoßen bei den Kindergärten auf wenig Verständnis. „Ich finde es nicht gut, dass mit Liedgut Geld verdient werden soll – und das auf Kosten der Kinder“, moniert Martina Drescher, Leiterin des Kindergarten St. Josef in Fritzlar.

Jährliche Gebühren

Kopien dürfen nur noch ausgeteilt werden, wenn ein Vertrag mit der Gema abgeschlossen wird. Dann fallen jährliche Gebühren an. Bis 300 Euro sind für 2500 Kopien fällig. Ein Betrag, der für viele Kindergärten nicht tragbar ist. „Das überschreitet einfach das Budget“, sagt Anja Hassenpflug, Leiterin des Kindergarten Osterbach.

Die Gema sieht das anders: die Lizenz ermögliche den Kindergärten erst, Noten und Liedtexte selbst vervielfältigen zu dürfen. Dass Kindergärten das bisher schon gemacht haben, wird nicht berücksichtigt.

Außerdem schreibt die Gema in ihrer Broschüre: „Wecken Sie die Freude an der Musik und fördern Sie musikalische Anlagen der Kleinen - wir helfen Ihnen bei den Unterrichtsmaterialien.“ Diese Unterstützung gibt die Gema aber nicht. Sie fordert von den Kindergärten laut Lizenzantrag auch, dass sie Listen über alle hergestellten Fotokopien anfertigen und der Gema diese vierteljährlich übermitteln.

Der Aufwand dafür sei enorm, berichtet Hassenpflug: „Das schränkt uns absolut in der Arbeit mit den Kindern ein.“ Alle Kindergärten in Homberg haben sich deshalb dazu entschlossen, den Vertrag mit der Gema nicht zu unterzeichnen – und keine Liedzettel mehr auszuteilen. Vor allem das Singen zuhause und an Sommerfesten falle nun weg.

Weniger Lieder

Die Kindertagesstätte St. Martin in Fritzlar hat ihr Liederrepertoire reduziert. Außerdem holte sie sich Beratung, welche Kopien von Liedtexten kostenpflichtig sind und welche nicht. „Wir müssen zum Beispiel keine Gebühr für Volksgutlieder bezahlen“, erklärt Dagmar Birke-Plogmann, Leiterin der Kita. Volksgutlieder sind „Alle meine Entchen“ und „Guten Abend, gute Nacht“. Auf Dauer werde man aber nicht um die Gebühren herumkommen, denn man sei jetzt in der Auswahl der Lieder stark eingeschränkt.

Idealerweise könne man eine Gebühr für alle Kindergärten einer Stadt einführen, die dann aufgeteilt werde, schlägt Birke-Plogmann vor.

Von Jessica Bassing

Quelle: HNA

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