Ostern findet in Kirchen statt

Gemeinden im Wolfhager Land setzen trotz Pandemie auf Präsenzgottesdienst

Hat zum Auftakt der Osteraktion ihren Garten in der Wolfhager Teichbergstraße geöffnet: Helga Kepper mit Enkel Lukas.
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Hat zum Auftakt der Osteraktion ihren Garten in der Wolfhager Teichbergstraße geöffnet: Helga Kepper mit Enkel Lukas.

Wolfhager Land – Auch in diesem Jahr wird das Osterfest in den Kirchengemeinden der Region anders aussehen als wir es kennen.

Während die landesweite Corona-Notbremse greift und die auch im Landkreis steigenden Infektionszahlen teilweise zum Umdenken und den Verzicht auf Präsenzgottesdienste geführt haben, will ein Großteil der Gemeinden auf Andachten und Gottesdienste unter aktiver Beteiligung der Gemeinden dennoch nicht verzichten.

„Die gemeinsame Feier ist für die meisten Religionen für das Glaubensleben grundlegend und Kern der Religionsausübung“, sagt Sven Wollert, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen, der auf die Frage, ob erlaubt automatisch auch gleich richtig ist, Apostel Paulus zitiert: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten.“

Im Austausch mit Dekan Wolfgang Heinicke hätten es sich die Pfarrer am vergangenen Freitag nicht leicht gemacht, die Lage zu erörtern. Risiken würden gesehen und entsprechend die Gegebenheiten vor Ort in Entscheidungen einbezogen. Wie gut kann die Kirche belüftet werden? Wie viele Menschen sind ehrenamtlich bereit, die Einhaltung des Hygienekonzepts zu begleiten? Wie hoch ist der bekannte Infektionsdruck vor Ort? „Wir prüfen die Situation im Kirchenkreis fortlaufend mit großer Ernsthaftigkeit und passen Entscheidungen gegebenenfalls auch an“, informiert Wollert und rät daher, die aktuelle Gottesdienstliste für Ostern mit Vorsicht zu genießen. Die gestiegenen Zahlen im Landkreis seien in vielen Gemeinden Grund für eine erneute Überprüfung.

Auf Präsenz setzt auch die katholische Kirche. „Im Blick auf die besondere Bedeutung von Ostern erwarte ich, dass in unseren Gemeinden nun verantwortungsvoll die Gottesdienste auch gefeiert werden“, sagt Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber. Dabei müsse man auch die steigenden Inzidenzzahlen im Blick behalten und gegebenenfalls den Kontakt mit den Behörden suchen. Jetzt gelte es, die bewährten Schutzkonzepte auf die besonderen Riten der Karwoche anzuwenden.

Zierenberg und Wolfhagen feiern online

Während die meisten Gemeinden aktuell auf Präsenzgottesdienste setzen oder das Pandemiegeschehen noch beobachten, gehen Zierenberg und Wolfhagen auf Nummer sicher. In den größten evangelischen Gotteshäusern des Altkreises bleiben die Bänke zu Ostern leer, hier werden die Gottesdienste online übertragen. Der jeweils aktuelle Stand im Kirchenkreis ist tagesaktuell abrufbar unter kirchenkreis-hofgeismar-wolfhagen.de. Infos zum Thema auch unter bistum-fulda.de

Kirchengemeinden entwickeln kreative Ideen in der Coronakrise: Passionsgeschichte als Mitmachaktion im Vorgarten

Dass sich der Alltag in den Kirchengemeinden in Zeiten von Coronafrust und Virusangst verändert hat, daran haben sich die Menschen längst gewöhnt. Sonntags per Mausklick vom heimischen Sofa aus den Gottesdienst zu besuchen, ist fast schon normal geworden, selbst an Weihnachten und aktuell auch Ostern. Damit das Gemeindeleben aber auch „offline“ weitergeht, werden Pfarrer und Kirchenvorsteher aktiv und schaffen kreative Mitmachangebote, die ein wenig Leichtigkeit und Freude in die schwere Zeit bringen sollen. Zu Ostern hoch im Kurs: der Passionsweg als Mitmachaktion.

In Wolfhagen zieht er sich seit Sonntag durch acht Vorgärten und über den Friedhof, wo täglich zwischen 14 und 19 Uhr Teile der Passionsgeschichte durch Texte und Symbole für Groß und Klein dargestellt und erlebbar gemacht werden. Gebete, Texte und kleine Installationen sind hier zu finden, und zum großen Finale werden am Ostermontag nochmal alle Stationen ihre Pforten öffnen und zu einem ausgedehnten Osterspaziergang einladen. Nach „Einzug in Jerusalem“ (Teichbergstr. 27) und „Die Fußwaschung“ (Ulmenstr. 20 a), steht der heutige Tag unter der Überschrift „Das letzte Abendmahl“ (Dellbrückenstr./Ecke Seilerstr.), bevor es morgen um die Gefangennahme gehen wird (Teichbergstraße 45). Die weiteren Stationen bis Ostern: Verurteilung (Donnerstag, Teichtor 1), Kreuzigung (Freitag, Friedhof Eingang an der Ampel gleich rechts), Im Grab (Samstag, Gabelweihenweg 2), Ostern (Sonntag, Ahornstraße 46) und „Die Jünger von Emmaus“ (Ostermontag, Burggrund 25).

Die Idee zum Passionsweg durch Wolfhager Vorgärten hatte Anja Mueller-Opfermann, die damit an ihre erfolgreiche Adventskalenderaktion anknüpft, die vor Weihnachten ebenfalls corona-konform durch Wolfhager Vorgärten geführt und die Herzen der Menschen im Sturm erobert hatte. Unterstützt wurde sie bei der Osteraktion durch Pfarrerin Katharina Ufholz und zahlreiche Gemeindemitglieder, die sich mit kreativen Ideen eingebracht haben. So auch Sandra Kepper, die die Ostergeschichte mit Playmobilfiguren nachgestellt und fotografiert hat, woraus ein kleines Bilderbuch entstanden ist, das sich die kleinen Gartenbesucher von Station zu Station zusammenstellen können. Ein Engagement, das sicher zu dem Gefühl beiträgt, das Kathrin Wittich-Jung als „Aufbruch“ bezeichnet. „Wir befinden uns gerade in einer kreativen Phase, was ich wirklich genieße, weil wir Dinge einfach mal ausprobieren können“, so die Pfarrerin, die passend zu den Gärten gemeinsam mit ihren Kollegen Wohnzimmerandachten anbietet. „Sowohl wir Pfarrer als auch die Gemeindemitglieder sitzen in ihren jeweiligen Wohnzimmern, verbunde über Zoom, der Zugang funktioniert wie bei unseren Sonntagsgottesdiensten.“

Auf kreative Alternativen in Pandemiezeiten setzt auch die evangelische Kirchengemeinde in Dörnberg, wo der Passionsweg ebenfalls in einen Garten einzieht, hier allerdings in den der Kirche. „Mit sieben bunten Stationen haben wir unseren Kirchgarten in einen Kreuzweg verwandelt und laden Jung und alt ein, sich mit der Passionsgeschichte zu beschäftigen“, sagt Kirchenvorsteherin Bettin Fröhlich-Burkamp. Unter anderem soll ein kreuzförmiges Beet von den Dörnbergern mit kunterbunten Blumen bepflanztwerden. Weitere Informationen zu den Osteraktionen in Dörnberg und Wolfhagen unter kirche-doernberg.de und kirche-wolfhagen.de

Kreuzwege für Groß und Klein

Wer wegen der aktuellen Corona-Lage Gottesdienste lieber meidet, auf den warten andere Angebote. Das Naumburge Kindergottesdienst-Team hat sich einen etwas anderen Kinderkreuzweg einfallen lassen, der noch bis Karsamstag in der Stadtpfarrkirche St. Crescentius selbstständig erkundet werden kann. An Erwachsene richtet sich das Angebot, an eigens an der Weingartenkapelle aufgestellten Gebetsimpulstafeln die „Sieben Fußfälle“ zu bedenken. In Wolfhagen sind vor der katholischen Kirche St. Maria die Stationen des diesjährigen Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend angebracht. An jeder Station ist das entsprechende Kreuzweg-Bild sowie ein QR-Code zu finden. „Wenn dieser mit dem Handy abgescannt wird, gelangt man zu passenden Audio-Aufnahmen“.

Das Volkmarser Kindergottesdienstteam hat ein „Draußen-Angebot“ auf dem Kirchhof der Pfarrkirche St. Marien realisiert. Unter dem Titel „Auf dem Weg zum Osterfest“ gibt es dort einen Stationsweg.

Alexander von Rüden, der auf der im Pastoralverbund initiierten Social-Media-Plattform „FamilienZeit“ außerdem multimediale Impulse, Gebete, Anregungen und Gestaltungstipps anbietet, kündigt über alle kreativen Angebote hinaus an, dass die katholischen Pfarrkirchen auch „weit über die Gottesdienstzeiten hinaus geöffnet sind und zum individuellen Gebet einladen“. (Sascha Hoffmann)

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