Kreissynode stellt Weichen für die Lösung sozialer Probleme in der Region

Gemeinsam ist besser als allein: Das Projekt „Miteinander leben“ ist eines von vielen Beispielen für soziale Verantwortung in der Region - wie hier mit Kindern der Kasseler A-elita-Kinderakademie am Tag der Begegnung.

Oelshausen. Nur ein kleiner Schritt für das Parlament des Kirchenkreises - ein möglicherweise großer für die Zukunft der Region.

Mit diesem Fazit verließen am Freitagabend die 72 Vertreter der Kirchengemeinden und des Kirchenkreises Wolfhagen die Sitzung der Kreissynode im Dorfgemeinschaftshaus in Oelshausen. Unter Mitwirkung von Verantwortlichen aus Politik, Kirche und Diakonie wurden die Weichen gestellt für eine künftig stärkere gemeinsame soziale Verantwortung in der Region.

Mit seinem „Plädoyer für ein gemeinwesenorientiertes Konzept der Kirche“ forderte der Landespfarrer für Diakonie in der Evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck, Oberkirchenrat Dr. Eberhard Schwarz, zugleich ein Festhalten der Politik am Sozialstaatprinzip. Die Kirche müsse Themen wie Armut und Vereinsamung enttabuisieren helfen, indem sie sie offen anspreche und dann entsprechend handle. Dem demographischen und sozialpolitischen Befund eines „Immer Weniger, Immer Älter, Immer Ärmer“ im Landkreis Kassel dürften Kirche und Kommunen nicht länger separat mit je eigenen Instrumenten und Weisheiten begegnen.

Projekt Nachbarschaftshilfe

Der Übereinstimmung in der Problemanalyse müsse ein gemeinsam abgestimmtes sozialpolitisches Konzept folgen, unterstrich der Leiter des Diakonischen Werkes Hofgeismar-Wolfhagen, Stefan Siegel-Schönig, seine Forderung nach einem „Schutzschirm für das soziale Netz“.

Das Interesse an Initiativen dieser Art bestätigten Susanne Selbert, Vize-Landrätin des Landkreises Kassel, und Zierenbergs Bürgermeister Stefan Denn, der auf das erfolgreiche Projekt Nachbarschaftshilfe in seiner Stadt verwies. Es zeige beispielhaft, dass Bürger gemeinsam mit kommunalen und kirchlichen Einrichtungen sozial nachhaltig handeln könnten.

„Vier gewinnt!“

Hinein in die Zukunft mit neuen Weggefährten ist auch das Hauptaugenmerk des Projektes „Vier gewinnt!“, mit dem den gravierenden sozialen Veränderungen in der Region durch gemeinsames Arbeiten begegnet werden soll. „Vier“ meint die Zusammenarbeit von Bürgern mit Kirche, Kommune und Diakonie. Das Projekt, das 2009 mit Geld des Hessischen Kultusministeriums gefördert wurde, setzt auf Ideen von Bürgern für Bürger vornehmlich in ländlichen Regionen wie in Zierenberg mit der Absicht, Initiativkräfte zu bündeln und diese Gewinn bringend zu vernetzen.

„Ein Netzwerk der Verantwortung bilden für die Region“ nennen Dekan Dr. Gernot Gerlach und der Vorsitzende der Kreissynode, Rudolf Möse, die neue diakonische und sozialpolitische Ausrichtung von Kirche und Diakonie.

Zur Beschlussreife führen

In einem Pressegespräch im Anschluss an die Synode erläuterten beide die Gesprächsergebnisse, die nun im Kreisdiakonie-Ausschuss weiter beraten und zur Beschlussreife geführt werden sollen. Die Kirchenvertreter betonten die Aufbruchsstimmung, mit der die Delegierten die neue Vernetzung sozialer Engagements für ein besseres Zusammenleben in der Region nutzen wollten.

„Kirche ist Diakonie. Deshalb greift sie dort ein, wo andere zu kurz kommen“, resümierte Gerlach. „Das Armutsthema in Kindertagesstätten oder bei Erwerbslosen mit Hartz IV oder die zunehmende Vereinsamung älterer Mitbürger - das sind unsere Themen.“

Von Ludger Verst

Quelle: HNA

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